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Die dunkle Stimme aus der Metro

In Paris sang er jahrelang gegen den Lärm der Züge an. Der ehemalige Strassenmusiker Benjamin Clementine betört auf seinem ersten Album mit abgrundtiefer Stimme.

Wollen wir sie ihm glauben? Seine Geschichte klingt so unwahrscheinlich, dass sie nicht stimmen kann. Und doch hat sie sich zugetragen, wofür schon spricht, dass er sie nicht mehr gern erzählt, sie kommt ihm selber kitschig vor, geradezu klebrig. «Darüber sollten wir nicht sprechen», hat er dem «Guardian» beschieden; «es gibt sehr viele Obdachlose in der U-Bahn, die niemals einen Plattenvertrag bekommen werden. So was passiert einfach nicht.»

Ausser ihm. Benjamin Clementine, der schöne, grosse Schwarze aus London, kommt von weit unten und ist nach ziemlich weit oben gelangt. Er hat in Paris jahrelang als Strassenmusiker gespielt, um sein weniges Geld zu verdienen. Die Heimatstadt hatte er im Streit mit den Eltern verlassen, er sagt nicht warum. Sie waren aus Ghana eingewandert, dachten streng und religiös. Benjamin wuchs als das fünfte und letzte Kind der Familie im ärmlichen Edmonton auf, dem Stadtteil in Nordlondon. Er sollte Anwalt werden, stattdessen brach er von zu Hause aus. Fuhr mit Gitarre nach Paris, schlief auf der Strasse, bei Freunden, in Absteigen. Spielte auf der Strasse, in Hotels, an Partys, am liebsten in der Metro, man kann das in Wackelfilmen auf Youtube nachprüfen. «Darum klingt meine Stimme so laut», sagt er, der in Interviews eher schüchtern wirkt, «weil ich gegen den Lärm der Züge ansingen musste.»

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