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Die beste Band der Welt ist zurück

R.E.M. streiften gestern Abend im Hallenstadion den Schatten einer verblichenen Grösse ab. Der tosende Applaus, der der US-Rockband beschert wurde, war wohlverdient.

«Accelerate»: Gestern, Mittwoch, präsentierten REM ihr 14. Studioalbum im Zürcher Hallenstadion.
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Keystone
«Shiny Happy People»: Doch die Amerikaner hatten auch alte Songs mit im Gepäck.
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Keystone
Wie gewohnt: Michael Stipe ganz in seinem Element.
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Keystone
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Anders als der Wiederkehrer Bryan Adams, der das Hallenstadion am Dienstagabend beschallt hatte, sind R.E.M. in Zürich eher selten gesehene Gäste. Dafür kann die US-Rockgruppe nichts. 1995 erlitt der Schlagzeuger Bill Berry eine Hirnblutung, was zur Absage aller folgenden Konzerte führte. Und als die auf ein Trio zusammengeschrumpften R.E.M. zehn Jahre später auf grosser Europatournee waren, wurde das Hallenstadion gerade umgebaut.

So hatte das gut besuchte Konzert vom Mittwochabend Seltenheitswert, aber Michael Stipe, Peter Buck und Mike Mills wird es wohl um mehr gegangen sein als um die Beendigung einer langen Absenz. Nach Bill Berrys Weggang 1997 befanden sich die einst als beste Band der Welt gehandelten R.E.M. lange im kreativen Niedergang, und vom 2004 veröffentlichten Album «Around The Sun» haben sich die Musiker inzwischen selber distanziert. Dem Kreativitäts- und Popularitätsabfall will die Band jetzt ein Ende setzen.

Spielfreudig und angriffslustig

Das im Frühjahr erschienene Werk «Accelerate» sollte die Gruppe wieder als Speerspitze des nachdenklichen Rock etablieren, und tatsächlich ist dem verbliebenen Trio damit das beste R.E.M.-Album seit Anfang der 90er-Jahre gelungen. Mit ihren kantigen Gitarren, schnellen Tempi und weiten Refrains klingen die meisten der neuen Songs wie für die grosse Bühne geschrieben, darum war man auf R.E.M. so gespannt wie schon lange nicht mehr.

Tatsächlich haben R.E.M. den Schatten jener verblichenen Grösse abgelegt, die sich 2005 in der Basler St.-Jakobs-Halle durch die Songs aus «Around The Sun» quälte. Spielfreudig und angriffslustig stieg das um zwei Begleitmusiker ergänzte Trio mit «Living Well Is The Best Revenge» ins Konzert ein und hielt diese harte Gangart über die erste Stunde. Erst allmählich flossen leisere Passagen ins Repertoire ein, und Frontmann Stipe wirkte geradezu beglückt, mit jedem weiteren Song mühelos einen Höhepunkt setzen zu können. So gut hat man R.E.M. seit Jahren nicht mehr gesehen - und das hat mit der langen Abwesenheit in der Region nichts zu tun. Der tosende Applaus, der ihnen beschert wurde, war darum wohlverdient. (nij)

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