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Der Kurt Cobain seiner Generation

Er galt als Zukunft des Pop. Nun ist der Emo-Rapper Lil Peep an einer Überdosis gestorben – im Alter von 21 Jahren.

Er nahm Raptracks auf, die mehr mit Grunge und Emo zu tun hatten als mit jenen Spielarten, die längst in den Feuilletons verhandelt werden. Nun ist Lil Peep im Alter von 21 Jahren gestorben.
Er nahm Raptracks auf, die mehr mit Grunge und Emo zu tun hatten als mit jenen Spielarten, die längst in den Feuilletons verhandelt werden. Nun ist Lil Peep im Alter von 21 Jahren gestorben.
Scott Dudelson/Getty Images

Auf Instagram veröffentlichte er noch diese Woche einen Film. «Ich nahm eben sechs Xanaxpillen», sagte er. Doch er fühle sich gut, nicht krank. Wenig später war Lil Peep tot. Der Rapper wurde 21 Jahre alt. Als Todesursache wird eine Überdosis an Schmerzmitteln vermutet. Und man muss diesen Künstler vor seinem Tod nicht gekannt haben, um nun zu merken, dass hier einer gestorben ist, der nicht ohne Grund mit Kurt Cobain verglichen wurde.

Die Teenage-Angst, die Depressionen: Sie kam bei Lil Peep nicht im rockistischen Heroinchic der Vergangenheit daher, sondern in knallfarbenen Haaren, exzentrischen Kleidungen, ausgemergelter Gestalt und glasigem Blick. Auf dem Gesicht von Gustav Åhr, so der bürgerliche Name von Lil Peep, prangten tätowierte Schriftzüge: «Cry Baby» war zu lesen oder auch: «Get Cake Die Young». «Cake» bedeutet in seiner Welt: Ein Kilo Kokain. Seine Wange zierte das Anarchiezeichen.

Als er 17-jährig war, flüchtete Åhr aus dem Elternhaus in Long Island, New York, zog nach Los Angeles. Er nahm Raptracks auf, die mehr mit Grunge und Emo zu tun hatten als mit jenen Spielarten, die längst in den Feuilletons verhandelt werden. Eine betäubte Zeitlupenmusik – im Internet millionenfach geklickt – die für Erwachsene unverständlich war, unverständlich bleiben muss: Eine, die von Nihilismus durchzogen ist. Von Medikamenten handelte, mit denen er die Angst bekämpft hat, so gut es eben ging. Und von sexuellen Ausschweifungen natürlich auch. Lil Peep war die Stimme seiner Generation, die all das am dringlichsten bündelte, die Verzweiflung und die Leere spürbar machte.

Im August veröffentlichte Lil Peep nach Mixtapes wie «Hellboy» sein erstes Album: «Come Over When You’re Sober Part One» heisst es, und auf dem Cover sieht man ihn, wie er – kaum nüchtern und desillusioniert – auf einer Matratze liegt. Hätte ihm jemand helfen müssen, so, wie er so vielen anderen geholfen hat mit seiner Musik? Denn wie gross sein Einfluss war, das ist nun, nach seinem Tod zu lesen: Es sind Gedenken von Stars wie dem Soulsänger Sam Smith, von Produzenten wie Diplo, vor allem aber von Fans, die wie er unter Depressionen leiden, und die sich tagtäglich mit Medikamenten betäuben müssen, damit dieses Leben überhaupt aushaltbar ist.

Immer wieder wurde Lil Peep als Zukunft angepriesen: Von Rap, von Emo, kurz, von Pop. Diese Zukunft: Sie ist am 15. November gestorben.

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