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Der Klang einer braun gebrannten Schwedin

In unserer Serie «Lässige Sünden» beichten Redaktion Tamedia-Journalisten Kultursünden. Heute: Vengaboys.

Ich war damals blutjung und betört von billigem Thai-Fusel, als mir eine braun gebrannte Schwedin in der rappelvollen Open-Air-Disco von Ko Samui ins Ohr hauchte: «Boom, boom, boom, boom, I want you in my room.» Die Blonde sang mir synchron zur dröhnenden Musik diese unzweideutigen Songzeilen der Vengaboys vor. Und wie es von einem Schweizer Muttersöhnchen auf seiner ersten grossen Südostasienreise nicht anders zu erwarten war, fiel meine Antwort nicht gerade souverän aus: «Öhm… Why?»

Chance verpasst. Ich hatte es verbockt. Geblieben ist mir aber dieser Sommerhit. Bis heute. Wenn ich das simpel gestrickte Eurodance-Liedchen höre, erinnere ich mich an diese Zeit zurück; an eine Zeit, die nach Freiheit unter Palmen schmeckte, nach Abenteuer und zu stark gemixtem Whiskey-Cola. Die Vengaboys haben diese wichtige Phase meiner Jugend vertont. Klar: An dieser Stelle Bob Dylan zu erwähnen, würde mich besser dastehen lassen. Aber so waren die 90er-Jahre eben: sorglos, fröhlich, etwas dümmlich. Und die Vengaboys waren gnadenlos zeitgeistig. Die vierköpfige Retortenband, das Projekt eines holländischen Radio-DJs, bestand aus einem Süssling in Matrosenkleidern, einem schwulen Cowboy, einer rothaarigen Discohexe und der sexy Soldatin, die irgendwie intelligenter aussah, als sie gekleidet war. In all ihren Liedern tippten die vier nur zwei Themenbereiche an: Party und Sex.

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