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Den Stars auf der Spur

David Torreblanca holt die Bands ans Montreux Jazz Festival.

Mit Lana Del Rey gelang ihm sein bislang grösster Coup: Montreux-Booker David Torreblanca. Foto: PD
Mit Lana Del Rey gelang ihm sein bislang grösster Coup: Montreux-Booker David Torreblanca. Foto: PD

David Torreblanca hat einen Traumjob. Sein Alltag besteht aus stundenlangem Musikhören, monatelangem Reisen und Herumhängen auf Festivals in ganz Europa. Er sagt: «Ich liebe es, Party zu machen.» Das gehöre zu seinem Beruf.

Wen wundert also, dass der Mittvierziger aus Lausanne übers ganze Gesicht strahlt, wenn er über seine Arbeit spricht. Als Band-Scout und Programmierer fürs Montreux Jazz Festival bespielt Torreblanca hauptsächlich das Jazz Lab, die frühere Miles Davis Hall. Jung, hip, innovativ soll das Programm im 2200 Plätze zählenden Saal sein, Elektro-Sounds werden gern gehört. Das Publikum erwartet in Montreux neben Neuentdeckungen und aufstrebenden Stars stets auch Top Shots der internationalen Musikszene. Das setzt David Torreblanca unter Druck. Wie geht er vor?

Mit Lana Del Rey, der Sängerin aus New York, gelang dem Absolventen der Hotelfachschule Lausanne sein bislang grösster Coup. Ihm gefielen Del Reys düster-dramatische Songs. Er besuchte ihre Facebook-Seite, als sie erst mit 1000 Personen befreundet war, schrieb ihr – und bekam Antwort. Die New Yorkerin wurde immer bekannter, ihre Musik gefragter, ihre Facebook-Community explodierte. Zu diesem Zeitpunkt hatte Torreblanca sie bereits fürs Festival 2016 engagiert – für eine vergleichsweise bescheidene Gage. Als Lana Del Rey in Montreux ankam, war sie ein international gefeierter Star.

Auftritte scheitern an Trivialem

Das Beispiel zeigt: Die Entwicklung von Facebook-Freundschaften können ein Hinweis auf aufstrebende Bands sein. Daneben beobachtet Torreblanca die «Einschaltquoten» bei Spotify und Youtube. Und natürlich will er Musiker live erleben. «70 Prozent der Bands, die in Montreux spielen, habe ich zuvor an anderen Festivals gesehen.» Manchmal gehe er auch Risiken ein, wenn ihm nicht gefällt, was er hört, aber denkt, dass es das Publikum in Montreux begeistert. Wie im Fall von James Blake. Er erinnert sich: «Das Konzert in Groeningen war schrecklich, aber die Bedingungen nicht gut. Ich verpflichtete ihn trotzdem.» 2015 tauchte Blake am Genfersee auf. «Das Konzert war absolut unglaublich. Der Festivaldirektor Mathieu Jaton vertraut mir immer zu 100 Prozent», schwärmt Torreblanca.

Doch sein Job bringt auch Frustration: Von 50 Bands, die Torreblanca engagieren will, bringt er nur 10 an den Genfersee. Auftritte scheitern oft an trivialen Dingen: an zu hohen Gage-Forderungen – oder an Agenten, die Bands auf Tourrouten weit abseits von Montreux schicken oder anderen Veranstaltern Exklusivität versprochen haben, was weitere Auftritte in der Romandie oder der Schweiz verunmöglicht.

Treten «seine» Bands in Montreux auf, lauscht David Torreblanca hinter den Kulissen. Er liebt das Kreischen des Publikums, wenn die Musiker die Bühne betreten. Spätestens nach zehn Minuten ist er weg. Auf dem Weg zum nächsten Konzert. Und die Party geht weiter.

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