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Das Zeitalter der Zuversicht

2017 war das erfolgreichste Jahr für die Schweizer Musikindustrie seit 1999. Und es soll noch besser kommen.

Die Meldungen aus dem CD-Segment sind zweischneidig.
Die Meldungen aus dem CD-Segment sind zweischneidig.
Sabina Bobst (Symbolbild)

Verkündungen von Jahresbilanzen im Zweige der Musikindustrie waren in letzter Zeit eher freudlose Anlässe. Zu konstatieren war ein Niedergang von schier apokalyptischem Ausmass: 17 Jahre lang keine Gewinnmeldungen, Umsatzeinbussen von fast 75 Prozent seit dem Jubeljahr 2000, Fusionen, Sparpläne und Stellenabbau prägten die Schlagzeilen.

Und nun das: Ivo Sacchi, Präsident des Branchen-Verbands IFPI Schweiz, lässt sich mit dem euphorischen Satz zitieren, dass der Musikindustrie Zeiten bevorstünden, die einträglicher werden sollen als in den goldigsten Jahren der CD.

Es sind zwei Dinge, die den Mann dermassen optimistisch stimmen: Zum einen kann die Schweizer Musikbranche 2017 das grösste Umsatzplus seit über eineinhalb Jahrzehnten verkünden (um 4 Prozent auf 88,1 Millionen Franken). Massgeblichen Anteil daran haben die Streaming-Dienste, welche einen Umsatz-Zuwachs von 50 Prozent verzeichneten und mittlerweile 39 Prozent des Gesamtmarktes ausmachen.

Ivo Sacchi wähnt hinter dieser Technologie und dem damit einhergehenden veränderten Hörverhalten noch immer ein Riesenpotenzial. «Wir sind erst am Anfang», sagt er, «da liegt noch eine enorme Steigerung drin.» Der zweite Grund seiner Zuversicht ist der Umstand, dass eine der wichtigsten Formen des Musikkonsums derzeit für die Branche noch kaum Geld abwirft: Über Youtube wird mehr Musik konsumiert als über alle Streamingdienste wie Spotify, Apple oder Deezer zusammen. Doch die Plattenlabels verdienen bloss an der Werbung, die auf den Kanälen geschaltet wird. Das entsprach 2017 in der Schweiz etwa vier Millionen Franken, etwa gleich wenig also, wie mit dem allseits überschätzten Vinyl-Verkauf eingenommen wurde. Auf EU-Ebene werde nun dafür gestritten, dass Plattformen wie Youtube der Musikindustrie für jedes angeschaute Musikvideo eine Entschädigung bezahlen müsse.

Die Sorgen um die CD

Zweischneidig sind die Meldungen aus dem CD-Segment. Noch immer generiert der Verkauf der Silberscheiben den grössten Branchen-Umsatz (40 Prozent des Gesamtumsatzes), 2017 war aber erneut ein Rückgang von 11 Prozent zu beklagen. Dieser wäre noch grösser ausgefallen, hätten nicht Acts wie Trauffer, Gölä oder Heimweh in einem Käufersegment gepunktet, das der CD noch wohlgesinnt ist. Im CD-Geschäft bereiten der Branche vor allem die Direktimporte Sorgen, viele Plattenläden würden günstiger im Ausland einkaufen. Ausserdem lasse die Schliessung von etlichen ExLibris-Filialen für die CD-Verkaufsbilanz des laufenden Jahres nichts Gutes erhoffen.

Doch die Zuversicht ist unerschütterlich. Lorenz Haas, Geschäftsführer der IFPI, orakelt für 2018 ein Plus von 5 Prozent voraus. Wenns mal läuft, dann läufts eben.

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