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Das Jazzfestival Bern zwischen Anspruch und Unterhaltung

Das vielleicht längste Jazzfestival der Welt hat sein Programm veröffentlicht. Steve Coleman, James Carter und Monty Alexander sind die gewichtigsten Namen des 37. Jazzfestival Bern.

Sein Jazz ist subversiv und gefährlich: Steve Coleman.
Sein Jazz ist subversiv und gefährlich: Steve Coleman.

Mit dem vertrauten Wechselspiel aus Bewährtem und Exklusivem geht das Jazzfestival Bern in die 37. Runde. Der Konzertreigen dauert vom 13. März bis am 19. Mai und spielt sich in Marians Jazzroom und dem Stadttheater ab. Ein kleiner Überblick auf die diversen Programmpunkte.

Samstag, 17. März:Das Warm-up im Stadttheater ist zu einer netten Tradition arriviert. Üblich auch, dass es mit erprobten Werten bestritten wird. Die Klarinettistin und Saxofonistin Anat Cohenwar eine der angenehmeren Entdeckungen im letztjährigen Programm von Marians Jazzroom, sie reist mit ihrem Bruder Yuvnal und einer Begleitband nach Bern. Ein regelrechter Festival- und Marians-Dauerbrenner ist der Modern-Jazz-Pianist Benny Green, der mit seinem Goldkanten-Trio auftreten wird.

13. bis 17. März: Die drei Blueswochen werden eröffnet von Queen Emily aus Texas, die ihr Dasein dem funkigen Blues verschrieben hat. Auf Tonträger hört sich das ziemlich stimmgewaltig, aber auch ziemlich berechenbar an.

20. bis 24. März:Bobby Rushsteht für kurzweilig dargebrachten Party-Blues. Der Mann aus Louisiana gilt als ausgebuffter und routinierter Entertainer, nicht umsonst wurde er 2001 mit dem «Living Blues Award» als bester Live-Act geadelt.

27. bis 31. März:Der Gitarrist und Sänger Zac Harmon aus Jackson, Mississippi bringt eine weit muskulösere Form der Bluesmusik an die Aare als seine Bluesvorgänger am diesjährigen Festival. Sein Auftritt im Jahre 2007 ist noch in lebhafter Erinnerung, schon in der ersten Pause war der CD-Vorrat für die ganze Festivalwoche aufgekauft.

3. bis 7. April: Winton Marsalis soll sie einst als «Sarah Vaughan Brasiliens» bezeichnet haben, Tony Bennett als die «Ella von Brasilien»: Die Bossa-Jazz-Sängerin Leny Andrade hat ihre Karriere bereits in den Sechzigerjahren gestartet, zog aber bald in die USA, weshalb sie es in Brasilien nie zu grossem Ruhm gebracht hat. Ihr Bossa ist mit zünftiger Gefühligkeit und geschmeidigem Jazz wattiert. Begleitet wird sie unter anderem vom brasilianischen Trompeter Claudio Roditi.

10. bis 14. April: Abenteuer-Jazz erster Güte ist vom Saxofonisten Steve Coleman und seiner Gruppe Five Elements zu erwarten. Er dürfte den Rahmen der Gemütlichkeit an diesem Festival erstmals sprengen, mit subversiver, progressiver, gefährlicher und inspirierender Jazzmusik.

17. bis 21. April: Keine Lust, die ganze Woche das gleiche Set zu spielen, hat offenbar der jamaikanische Pianist Monty Alexander. Dienstag bis Donnerstag tritt er mit seinem Quartett auf, Freitag und Samstag stellt er sein neues Projekt Harlem Kingston Express vor, ein musikalisches Konglomerat aus swingendem Jazz, neckischem Reggae und unverschämtem Kitsch – also genau das, wofür Monty Alexander seit je steht.

24. bis 28. April: Sie ist ein Jungtalent mit aufstrebendem Karriereverlauf: Die Saxofonistin und Sängerin Grace Kellywurde von keinem Geringeren als Phil Woods entdeckt und gefördert, und ebendiesen Phil Woods begleitet sie heuer ans Jazzfestival. Als Saxofonistin geschmackssicherer als im Sängerinnen-Modus.

1. bis 5. Mai:Eher ungeläufig, aber deswegen nicht minder reizvoll ist die Trio-Besetzung Saxofon, Hammond-Orgel, Schlagzeug. Besonders, wenn die Rolle am Horn in der Person von James Carter mit einer ausgewiesen charismatischen Rampensau besetzt ist. Hier dürften die Bistro-Tische ins Vibrieren geraten.

8. bis 12. Mai:Die Freunde der Hammond-Orgel kommen auch in dieser Woche auf ihre Rechnung. Der Marians-Dauergast Joey DeFrancesco hat sich mit dem Gitarristen Larry Coryell und dem Schlagzeuger Jimmy Cobb ein knackiges Trio zusammengestellt.

15. bis 18. Mai: Mit einem Programm zu Ehren von Louis Armstrong reist Posaunist, Sänger und Multiinstrumentalist Wycliffe Gordon um die Welt. Fusswipp-Nostalgie-Jazz für den aufgeweckten Hotelgast.

19. Mai: Mit Unterhaltungs-Jazz für den Musikwelle-Hörer wartet das Jazzfestival Bern an der abschliessenden Gala Night im Stadttheater auf. The Manhattan Transfer heisst der Gesangsverein, der den wahren Jazzfreund in die Flucht schlagen dürfte.

Während des ganzen Festivals finden im Zelt vor dem Hotel Innere Enge kostenlose Off-Konzerte mit Studierenden der Jazzschule Bern und der New Yorker School for Jazz and Contemporary Music statt.

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