Das Fest der Frühversauten

Pegasus aus Biel sind da angekommen, wo sie immer hinwollten. Ein ausverkauftes Bierhübeli hat ihre Lieder mitgesungen.

Eine Band, die niemals wild war: Pegasus.

Eine Band, die niemals wild war: Pegasus.

(Bild: zvg)

Ane Hebeisen

Im Bierhübeli sind sie auch schon aufgetreten. Als Vor- oder Vorvorband, weil sie wieder einmal irgendeinen Bandcontest gewonnen hatten. Doch heute ist alles anders. Heute ist das Bierhübeli ausverkauft, einzig weil ihr Name auf der Affiche prangt. Die jungen Mannen von Pegasus sind dort, wo sie immer hinwollten; die Radios spielen ihre Lieder auf höchster Rotation, das aktuelle Album tummelt sich seit 60 Wochen in der heimischen Hitparade, und die Tickets ihres Bierhübeli-Konzerts waren zeitig vergriffen. Was ist also dran an dieser Band? Mit welchen Methoden hebt sie die Musikwelt aus der Achse? Oder geht es doch wieder einmal nur um die Frisuren der Protagonisten?

Letzteres kann ausgeschlossen werden. Der wuschelige Haubenschnitt von Sänger Noah Veraguth hat beim Zielpublikum keine Nachahmer gefunden. Überhaupt hat sich kein juvenil-aufgekratztes Kreisch-Publikum versammelt, die Pegasus-Anhänger sind überraschenderweise vornehmlich bejahrtere Geschöpfe, eher aus den Vororten als aus den Urbanisationen der Schweiz. Ihnen wird Kurzweiliges aufgetischt: ein reichhaltiges Hitprogramm, Tambouren, ein Rhythmus-Intermezzo an der japanischen Taiko-Trommel, A-cappella-Zwischenspiele und ein sonderbarer Hüpftanz des Herrn Veraguth, in dessen Stimme immer wieder eine schöne soulige Traurigkeit aufblitzt. Der Sound ist satt, der Bassist Gabriel Spahni ein Meister der Aussparungen.

Besinnung aufs Kerngeschäft

Und wenn man sich das so anhört, ist man ganz froh, dass sich Veraguth nach höchst bedauerlichen Kooperationen mit Stress, Bastien Baker und Yves Larock sich wieder aufs Kerngeschäft besinnt: auf den ohrwurmigen Dreiminutenhit mit Gitarrenbegleitung. Und doch stellt sich an diesem Konzert irgendwann ein vorweihnächtliches Übersättigungsgefühl ein. Der unbedingte Wille, den perfekten Popsong zu schreiben, hat diese Band in einen musikalischen Engpass gepfercht.

Bei aller Liebenswürdigkeit der jungen Protagonisten, bei allem Talent, abendfüllend prima Refrains aneinanderzureihen, sind Pegasus irgendwie halt doch popmusikalisch frühversaut. Es ist eine Band, die niemals wild war: Zuerst spielte sie die Plattensammlung der Eltern nach, bevor sie sich in der Hitfabrik HitMill einen zeitgemässen Sound auf den Leib schneidern liess. In den schlechtesten Momenten ihres umjubelten Konzerts ist ihr Tun von dieser Erfolgsfixiertheit handicapiert. In den besten Momenten erkennt man die Lausbuben wieder, die sich einst an der Bieler Schützengasse getroffen haben, um ganz einfach Spass an der Musik zu haben.

Der Bund

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt