«Dann hat er einfach alles gegeben»

Der Berner Gitarrist und Songschreiber Hank Shizzoe hat immer wieder mit Polo Hofer gespielt. Und so einen Sänger kennen gelernt, der auch auf der Bühne in erster Linie ein Musikfan war.

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Hank Shizzoe, wie haben Sie Polo Hofer kennen gelernt?
Er kam Ende der Neunziger an meine Konzerte in der Mühle Hunziken in Rubigen. Da haben wir ein bisschen geschwätzt und uns gegenseitig beäugt. Ich sagte ihm dann: Melde dich, wenn du mal was brauchst. Das hat er dann gemacht, als er die Alpinistos gründete.

Die Alpinistos mit Hank Shizzoe (Gitarre), Hanery Amman (Keyboard), Polo Hofer (Schlagzeug), Michel Poffet (Bass) und Andi Pupato (Perkussion) an einem Konzert in Bern 2004.

Sie selbst leben in Bern, singen aber Englisch. Wer war Polo Hofer für Sie, als Sie als Musiker anfingen?
Der Hofer war halt immer da, der war für die Schweizer Musikszene wie Sonne, Mond und Sterne. Ich kannte seine Musik schon als Kind: Nicht wahr, im Auto sitzen, und es läuft Rumpelstilz. Musikalisch hatte er aber wohl keinen grossen Einfluss auf mich. Aber er hatte einen grossen kulturellen Einfluss. Polo Hofer – und mit ihm Toni Vescoli – hat in der Schweiz diese Musik auf den Weg gebracht, diesen Mundartrock mit Little-Feat-Grooves.

Was machte seine Texte aus?
Polo hat immer wieder geschafft, was viele Leute nicht schaffen und nie schaffen werden: Er hat schwierige Sachen einfach verständlich erzählt. Man muss nicht jeden seiner Texte loben, aber wenn ihm das gelungen ist, dann hat er sehr schöne, poetische Sachen geschrieben. Dann hat er die Romantik, die ihn angetrieben hat, in seinen Texten zum Ausdruck gebracht. Das klingt einfach, ist aber etwas sehr Schwieriges. Den meisten Leuten gelingt es nicht, ihre Passion zu transportieren.

Wie war es, mit Polo Hofer live zu spielen?
Er war ja, was viele Leute nicht wissen, eigentlich Schlagzeuger. Er liebte einfach den Groove dieser Songs, und wenn er mit seiner Begeisterung am Spielen war, dann war das grossartig. Auch wenn er später dieser Entertainer im Unterhaltungsbiz wurde – die Begeisterung für den Rock von Little Feat oder Creedence Clearwater oder den alten Blues hat er nie verloren. Sie war immer zu spüren, erst recht natürlich, wenn man einen Meter neben ihm auf der Bühne stand und er alles gab.

War es für ihn schwierig, diese zwei Teile seiner Bühnenfigur – die Liebhaberei und das Entertainment – zusammenzubringen?
Wenn schon, fanden es alle anderen schwierig.

Welche anderen?
Leute um ihn herum, die fanden: Warum machst du nicht mehr Blues und so? Aber der Hofer hat seinen Platz gekannt. Der hat schon gewusst, wer er ist, was er macht, was er kann und was nicht. Da muss man gar nicht diskutieren, ob das jetzt alles gut war, was er machte: Er hat einfach sein Ding durchgezogen.

Auch auf eine sehr professionelle Weise.
Ja, sehr. Und am besten war er, wenn sich seine Professionalität mit seiner Liebhaberei verband: Wenn ihm etwas gefallen hat, hat er das wahnsinnig ernst genommen, dann war er ehrgeizig und hat einfach alles gegeben. Ich habe ihn oft so erlebt – dass er sich richtig den Arsch aufgerissen hat.

Wie fanden Sie ihn als Sänger?
Er hatte seinen Groove beim Singen, und mehr wollte er auch gar nicht. Er war halt schon ein cleverer Siech, er kannte seine Limiten und wusste sehr gut, wie er sie in seine Kunst einbauen musste. Das gefiel mir immer an ihm. Man erkannte ihn auch sofort, nach einer Sekunde.

Die Tributshow für Bob Dylan auf SRF: Polo Hofer ist ab Minute 11 und ab Minute 24 zu sehen.

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