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Cool down, ich komme ja schon

Heute vor hundert Jahren wurde Billie Holiday geboren. Die erste weltberühmte Jazzsängerin der Geschichte bezeichnete sich selbst als «eine der bestbezahlten Sklavinnen».

Hat im Jazz den Boden gelegt für alles, was nach ihr kam: Billie Holiday, hier 33-jährig.Foto: The Granger Collection, New York
Hat im Jazz den Boden gelegt für alles, was nach ihr kam: Billie Holiday, hier 33-jährig.Foto: The Granger Collection, New York

Wer von Billie Holiday redet, muss auch von «Strange Fruit» reden. Ihr berühmtester Song ist vielleicht auch der ungewöhnlichste der Jazzgeschichte. Er handelt von jenen «seltsamen Früchten», die in Amerikas Südstaaten zuweilen in den Bäumen hingen: gelynchte Schwarze. Was uns heute völlig unvorstellbar erscheint, zumal in einem Land wie den USA, war Ende der Dreissigerjahre, vor weniger als 80 Jahren also, ein noch weitherum akzeptiertes Verbrechen. Sechs von zehn Südstaatlern fanden Lynchjustiz damals okay. Fast 4000 Schwarze waren, oft mit jahrmarktähnlichem Rummel, aufgeknüpft worden. Allein im ersten Viertel des Jahres 1939, bevor Holiday das Lied erstmals im New Yorker Jazzclub Café Society sang und am 20. April aufnahm, hatte es bereits ­wieder drei Lynchmorde gegeben.

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