Axl Rose rettet die Welt

Der Guns-N’-Roses-Sänger ist nun ein «Looney Tunes»-Held. Und singt eine Karikatur eines Rocksongs. Warum das dennoch lustig ist.

Singt als Cartoonheld seinen ersten neuen Song seit elf Jahren: Axl Rose. Video: Boomerang Official (Youtube)

Die Lage ist ernst. Denn ein lächelnder Asteroid rast auf die Welt zu, scheinbar unaufhaltsam. Nur einer kann uns vor dem Ende der Welt noch retten. Es ist Axl Rose. Der Guns-N’-Roses-Veteran und AC/DC-Teilzeitsänger hat auch schon einen Plan, wie das gelingen könnte: mit der Kraft der guten, alten Rockmusik.

Zumindest heckt dies der 56-Jährige in seiner neuen Rolle als «Looney Tunes»-Cartoonheld aus. Und so stiftet die Trickfilmfigur Rose, die in der Wüste gestrandet ist, Bugs Bunny und Schweinchen Dick an, mit ihm den Song «Rock the Rock» zu performen, möglichst laut, in der Hoffnung, damit den Asteroiden abschrecken zu können.

Karikatur eines Rocksongs

«Rock the Rock» ist der erste neue Axl-Rose-Song seit 2008. Damals erschien das Album «Chinese Democracy», das als teuerster und unlustigster Witz der Rockgeschichte gilt. Im Gegensatz zum dekadenten Pomp jener Tage ist «Rock the Rock» geradezu simpel gestrickt: Ein Riff genügt Axl Rose, um die Welt zu retten.

Wenn man sich bloss den Song anhört, muss man sagen: Es ist die Karikatur eines Rocksongs. Man könnte «Rock the Rock» gar als endgültiges Zeichen dafür lesen, dass die männliche Rockmusik nun wirklich nicht mehr zu retten ist. Diese ist ja längst ein Auslaufmodell in einer Gegenwart, in der die verschiedenen Hip-Hop-Spielarten alle Sparten der Popkultur dominieren. Und wenn frische Gitarrenmusik im Hier und Jetzt überhaupt noch Abenteuer verspricht, dann ist der Gitarrenheld eine Gitarrenheldin und heisst St. Vincent oder Lindsey Jordan alias Snail Mail.

Hier wirkt er recht unlustig: Axl Rose. Foto: Paul Bergen/Keystone

«Rock the Rock» weiss natürlich um die verzweifelte Lage eines Genres, für das es derzeit kaum etwas zu gewinnen gibt, und um seine Karikaturhaftigkeit. Axl Rose weiss dies glücklicherweise und überraschenderweise auch. Denn lustiger als in diesem Video, das Teil der «Looney Tunes»-Folge «Armageddon Outta Here, Part Two» ist, war er, der grimmige Hardrocker, der alle Rock-’n’-Roll-Klischees ausgelebt hat, noch nie zu sehen. So viel Selbstironie? Das hätte man ihm dann doch nicht zugetraut.

Aber gänzlich unernst meinen es Axl Rose und die Trickfilm-Produzenten nicht mit diesem Witz von einem Song. Denn es geht ihnen auch darum, Rockmusik bei einem heranwachsenden Publikum, das nichts mehr von den mythischen Rockstars weiss, in Erinnerung zu rufen. Indem man die Gitarre, die Lust an den Posen dank den klassischen Cartoonhelden in die Kinderzimmer bringt. Es könnte gelingen.

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