Zu wenig Wut

Prophets of Rage haben gerade mal vier eigene Songs auf Lager. Und die Intensität ihrer Wut lässt zu wünschen übrig.

Die Propheten der Wut - nicht wütend genug.

Die Propheten der Wut - nicht wütend genug. Bild: zvg / Travis Shinn

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Die Erwartung des Publikums am Festi’neuch («Berner Woche» vom 8. Juni) war gross, schliesslich versprach die Zusammensetzung der Crossover-Truppe Prophets of Rage doch so einiges. Eine Supergroup oder, etwas salopper formuliert, eine Alt-Herren-All-Star-Combo sondergleichen hat sich da nämlich zusammengetan – DJ Lord und Rapper Chuck D (beide von Public Enemy), Rapper B-Real (Cypress Hill), Gitarrengott Tom Morello, Bassist Tim Commerford und Schlagzeuger Brad Wilk (alle von Rage Against the Machine).

Um es gleich zu sagen: Derjenige, welcher von der Rage-Against-the-Machine-Stammformation fehlte, fehlte so richtig: Frontmann Zack de la Rocha. Das Konzept von Prophets of Rage besteht darin, alte Songs von Cypress Hill und Public Enemy vor allem aber von Rage Against the Machine zu spielen – eigene Songs haben die Propheten zurzeit gerade mal vier auf Lager. «Bombtrack», «Killing In the Name of», «Take the Power Back» und all die andern Agitationsnummern, die 1992 beim Erscheinen des Debüts von Rage Against the Machine für Furore in der Crossover-Welt sorgten, haben keinesfalls an Attraktivität oder auch Aktualität verloren.

Das zeigte denn auch die Tatsache, dass die sechs Prophets of Rage das Publikum am Donnerstagabend vom ersten Ton an im Sack hatten; bis in die hintersten Reihen wurde stereo gehüpft, ekstatisch geheadbangt oder euphorisch die geballte Faust in die Luft gereckt. Dass Tom Morello sein Gitarrenkönnen etwas gar ausufernd demonstrierte und dass bei weitem nicht jeder der vertrackten Rhythmuswechsel sass, war verschmerzbar. Schmerzlich vermissen tat man allerdings die Dringlichkeit eines Zack de la Rocha. Klar doch, Rapper Chuck D und B-Real sind souveräne Experten in ihrem Kerngeschäft, was auch das eingeschobene 90er-Jahre-Hip-Hop-Medley demonstrierte. Aber die Empörung über den Zustand dieser Welt gehört geschrien! Laut, aggressiv und wütend! Taminomau. (Der Bund)

Erstellt: 17.06.2017, 08:17 Uhr

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