Camille Butcher

«Wir Waliser lieben es zu singen!»

Die 32-jährige Sporanistin Camille Butcher ist seit dieser Saison Mitglied des Ensembles im Stadttheater Bern. Im Interview erzählt sie, wie sie zum Singen kam und wie sie mit Selbstkritik umgeht.

Die Sopranistin Camille Butcher ist seit dieser Saison Mitglied im Ensembles des Stadttheaters.

Die Sopranistin Camille Butcher ist seit dieser Saison Mitglied im Ensembles des Stadttheaters. Bild: zvg

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In den «Alten Weisen» von Hugo Wolf besingen Sie hohe Krieger, milchjunge Knaben, einen Schatz wie ein Fink und ein trunkenes Köhlerweib. Stellt Ihnen dieser Pathos nicht die Nackenhaare auf?
Oh, für mich sind diese etwas altmodischen Texte von Gottfried Keller kein Problem! Hugo Wolf hat die Lieder wunderbar vertont. So ironisch, so witzig! Keller beschreibt verschiedene Frauentypen. Und es geht auch darum, wie viel Macht Frauen über die Männer haben können. Ich kombiniere passend dazu die «Mädchenblumen» von Richard Strauss. Auch da werden Frauentypen thematisiert, melancholischer, ernster, allerdings.

Gegensätze prägen auch die Partien, die Sie am Stadttheater auf der Opernbühne gesungen haben: Im «Fidelio» die verliebte Marzelline, in «La Cenerentola» die zickige Clorinde. Beides mit Erfolg. Was liegt Ihnen besser?
Für mich ist es einfacher, tragische Figuren zu spielen. Das ist oft auch interessanter als Buffo-Rollen. Diese entsprechen meinem lyrischen Sopran ohnehin weniger. Wie sich meine Stimme entwickelt, weiss ich noch nicht.

Sie sind in Wales aufgewachsen. Von dort kommen viele Pop- und Rocksänger, etwa Tom Jones, Bonny Tyler oder Shirley Bassey. Wie sind Sie zum Opernsingen gekommen?
Auf Umwegen. In unserer Familie wurde viel musiziert. Mein Vater ist Musiker, spielt Gitarre und indische Sitar. Ich habe als Kind Geige und Klavier gespielt und im Chor gesungen. Wir Waliser lieben es zu singen! Nach alter Tradition sind Kirchenchöre aber oft Männern und Knaben vorbehalten. Nach dem Abitur habe ich zuerst Französisch studiert, doch die Musik fehlte mir. So habe ich in Cardiff ein Geigenstudium angefangen. Ich wohnte da in einer WG mit Sängern. Und plötzlich wurde mir bewusst, dass mir singen mehr Spass macht als geigen. Ich habe die Prüfung bestanden und dann Gesang studiert. Ich habe den Wechsel bis heute nie bereut.

Am Stadttheater haben Sie Ihr erstes festes Engagement. Zuvor waren Sie in Karlsruhe, Lübeck, Berlin. Auch eine Zeit lang freischaffend. Was hat sich verändert?
Die Ausbildung am Opernstudio Zürich war vergleichbar mit dem Leben jetzt im Ensemble. Ausser dass man dort noch Fehler machen durfte. Nicht, dass jetzt Perfektion erwartet würde - doch die Verantwortung als Ensemblemitglied ist grösser als im Opernstudio. Wenn ich zum Beispiel 14 Mal die Marzelline singe, ist das nicht einfach. Selbstkritisch zu sein, ohne sich selber verrückt zu machen: Das ist eine Kunst. Ob ich in zwei Jahren auch noch in Bern bin, wird sich zeigen. Man sollte vieles ausprobieren und einiges riskieren, wenn man sich weiterentwickeln will. Ich kann mir vorstellen, wieder nach Berlin zu ziehen. Da gibt es für eine Sängerin viele Möglichkeiten.

Zurück zum Liederabend. Ist es eigentlich schwieriger, Lieder auswendig zu lernen als eine Rolle?
Auswendiglernen fällt mir leicht. Ich bereite mich gut vor und übe so viel wie möglich. Allerdings fast nie zu Hause - ich wohne im Breitenrain und möchte die Nachbarn nicht stören. Meistens probe ich im Theater. Wenn es kein Klavier hat, ist das auch kein Problem. Ich habe auf meinem iPad nicht nur meine Noten gespeichert, sondern auch eine App, die eine Klaviertastatur simuliert. Das ist sehr praktisch beim Üben. (Der Bund)

Erstellt: 07.02.2013, 11:24 Uhr

Camille Butcher

Die 32-jährige Sopranistin wurde 1980 im walisischen Newport geboren. Sie studierte am Royal Welsh College of Music and Drama in Cardiff und war von 2009 bis 2011 Mitglied des Internationalen Opernstudios in Zürich, wo sie die Gretel in «Hänsel und Gretel» sowie die erste nackte Jungfrau in «Moses und Aron» sang. Seit dieser Saison ist Camille Butcher Mitglied des Ensembles am Stadttheater Bern.

Liederabend

Donnerstag, 7. Februar, 19.30 Uhr: Liederabend im Foyer des Stadttheaters.(Mit dabei auch Fabienne Jost, Andries Cloete und Sonja Lohmiller am Klavier).

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