Mehr als bloss Spass am Dilettantismus

Sie heben gerne ihre Unvollkommenheit hervor, doch die Berner Garage-Rock-Tunichtgute The Monofones sind besser als sie denken. Heute taufen sie ihre neue CD.

Aufgekratztes Temperament: The Monofones aus Bern.

Aufgekratztes Temperament: The Monofones aus Bern. Bild: zvg

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Sagen wir es so: Ein kolossaler Triumphzug war es nicht, als The Monofones an einem schwülen Sommernachmittag im letzten Juli ihre Instrumente in den Wagen packten und losfuhren, um die Autobahnraststätten zwischen Bern und Zürich mit kleinen Guerilla-Konzertchen zu beglücken. Da brachen auch schon mal mit der Situation überforderte Kleinkinder in Tränen aus, manche Schaulustige waren eher konsterniert als euphorisiert, und sogar der eine oder andere Park- und Motorschaden ging auf das Konto der sonderbaren entfesselten Berner Musikanten.

Alles andere wäre aber auch verwunderlich gewesen. The Monofones sind keine Band, die sich bisher durch eine besondere musikalische Volksnähe hervorgetan hätte, eher durch eine sprichwörtliche I-don’t-care-what-the-people-say-Attitüde, und die steht diesem Trio auch auf seinem neuesten Tonwerk mit dem sachdienlichen Titel «Superhits» ganz ausgezeichnet.

Superhit-Bruchstücke

Der Rock ’n’ Roll wird hier in seine Einzeltrümmer zerlegt, entrümpelt auf ein kunstlos, aber rabiat gespieltes Schlagzeug, auf eine handgreiflich traktierte Stromgitarre und den chronisch heiseren Gesang aus dem Schreihals von Miss Olive Oil. Das klingt aufs erste Hinhören nach purem Spass am Dilettantismus, und die Band unterstreicht diesen Eindruck mit ihrem fortwährenden Hervorheben der eigenen Unvollkommenheit. Doch das ist nur die eine Seite der Monofones-Medaille.

In diesem ganzen Lo-Fi-Garage-Trash-Dickicht finden sich auch immer wieder tatsächliche Superhit-Bruchstücke, etwas verbogen und ramponiert zwar, doch diese Band kann mehr als bloss Lärm. Sie beherrscht die Kunst euphorisierender Zuspitzungen, sie hat ein prima Faible für gute Melodien – und im Hormonhaushalt dieser Band findet sich ein derartiger Überschuss an aufkratzenden Substanzen, dass man fast nicht anders kann, als sie zu mögen. Wenn es mit dem Triumphzug durch die helvetische Raststätten-Szene schon nichts wurde, so werden ihnen die Freunde des ungehobelten Rock ’n’ Roll garantiert zu Füssen liegen. (Der Bund)

Erstellt: 28.09.2012, 09:14 Uhr

The Monofones: "Brian the Lion"

Superhits!

The Monofones: Superhits! (Subversiv Records).
Konzert: heute Freitag, ISC, 21 Uhr.

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