Kubanische Kubistin

La Dame Blanche hat die Perspektiven und die Geometrie der lateinamerikanischen Musik neu überdacht. Auf ihrem Album «Piratas» klingt das sehr appetitlich.

2014 ist das erste Longplayer-Gemeinschaftswerk «Piratas» erschienen, unter dem Projektnamen La Dame Blanche.

2014 ist das erste Longplayer-Gemeinschaftswerk «Piratas» erschienen, unter dem Projektnamen La Dame Blanche.

(Bild: Victor Delfim)

Ane Hebeisen

Ja, der Sound der Klein-Revolutionäre hat sich gewandelt. Bis vor kurzem war Yaite Ramos Rodriguez die Background-Sängerin bei Sergent Garcia, dieser stets ein bisschen zu angepassten Latin-Ragga-Punk-Weltverbesserungs-Combo aus Frankreich. Und eines Tages wird sie gemerkt haben, dass mit dieser Band abgesehen von einigen Salsa-Kurs-Abgängern kaum mehr frisches Publikum bewegt werden kann. Es musste ein neues Sound-Layout her – und eine Solokarriere.

Warum also nicht bei einem der Besten anklopfen im Fachgebiet der neuzeitlichen Latinmusik: El Hijo de la Cumbia ist ein Meister im Verquicken von Cumbia und Dub, veröffentlicht seine Musik auf dem Label der Tango-Auffrischer Gotan Project und ist angetan von der Idee, regelmässig Damenbesuch in seinem ansonsten eher einsamen Heimstudio zu bekommen. Letztes Jahr ist das erste Longplayer-Gemeinschaftswerk «Piratas» erschienen, unter dem Projektnamen La Dame Blanche. Produziert worden ist es von Babylotion, der bereits mit den Exilkubanern Orishas kollaboriert hat. Und so wird von der Promo-Abteilung auch tüchtig darauf hingewiesen, dass es sich bei La Dame Blanche um eine Band handle, die das Zeug hat, den Erfolg der Latin-Hip-Hopper zu wiederholen.

Zornesader

Gewisse Parallelen sind vorhanden: Yaite Ramos Rodriguez stammt aus Kuba, ist die Tochter von Jesus «Aguaje» Ramos, dem Orchester-Leiter des Buena Vista Social Club, sie ist also in Sachen kubanischer Musiktraditionen nicht ganz unkundig. Sie hat sich ebenfalls Paris als Basis ausgesucht, und dieser Mix aus Dub, Hip-Hop, Cumbia, Elektro und kubanischer Harmonielehre oszilliert durchaus ungeläufig zwischen grossstädtischer Clubmusik und althergebrachtem karibischem Rhythmushandwerk.

Und auch der klassenkämpferische Eifer ist wieder entflammt. Yaite steht nicht der Sinn danach, ein Postkarten-Kuba abzubilden. Während Orishas gerne in heimwehleidige Melancholie verfielen, pocht bei La Dame Blanche eine zünftige Zornesader.

Turnhalle Progr So, 29. 3., 20.30 Uhr.

Der Bund

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