Held der Woche: Der Jazzer aus der Dunkelkammer

Ganesh Geymeier frönt Coltrane ohne diesen wiederzukauen.

Einer der grossen Charakterköpfe des Schweizer Jazz: Ganesh Geymeier

Einer der grossen Charakterköpfe des Schweizer Jazz: Ganesh Geymeier

(Bild: zvg)

Ane Hebeisen

Name: Ganesh Geymeier

Funktion: Saxofonist des Duos Bad ­Resolution

Heldentat: Das gloriose Album «Forgotten Language» (2015)

Empfohlen für: Menschen, die Jazz nicht als nette Plüschsesselmusik begreifen

Im Jazz ist es manchmal ein bisschen wie in der Popmusik. Da und dort gibt es prima Interpreten, tolle Sänger, technisch brillante Saxofonisten. Doch die wahren Charakterköpfe sind rar. Leute, die allein mit ihrem Klang und ihrem Wesen einen Raum zu füllen imstande sind.

Eine solche Persönlichkeit ist an diesem Wochenende im Liebefeld zu bestaunen; Ganesh Geymeier heisst sie, Indien-Schweizer aus Vevey, Saxofonist mit rauborstigem Ton, einer, der keine solistischen Floskeln absondert, sondern jedes Solo zum Statement stilisiert. Neulich hat er dies auf der Tour mit der hochverehrten Band The Rainmakers von Bänz Oester untermauert.

Am Donnerstag kehrt er mit einem Schlagzeuger in den Be-Jazz-Club zurück, der ihm in Sachen Charisma in nichts nachsteht. Christophe Calpini war schon mit Erik Truffaz auf Tournee und hat einst ein Album von Alain Bashung produziert. So viel zur Vorgeschichte.

Doch es ist die Gegenwart, die viel interessanter ist. Die beiden Westschweizer haben unter dem Namen Bad Resolution nämlich eines der schönsten und finstersten Jazzalben des letzten Jahres veröffentlicht. Schlagzeug, Computer und Tenorsaxofon treten hier an zu einer berauschenden Improvisation, die nie ins Geräuschhafte oder Kunstsinnige abdriftet, sondern zwischen abgedunkelter Schönheit und schierer Ekstase schlenkert. Der Geist von Coltrane ist in dieser Musik allgegenwärtig, doch hier wird nichts wiedergekäut, hier wird eine vollkommen eigenständige, gleichzeitig beglückende und benebelnde Form moderner Jazzmusik geschaffen. Was für ein beklemmendes, raues, anmutiges Meisterwerk!

Be-Jazz-Club Liebefeld, Donnerstag, 28. April, 20.30 Uhr.

Der Bund

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