Haudegen Liam Gallagher serviert Aufgewärmtes

Der Rockstar präsentiert sein erstes Soloalbum überhaupt. Was es taugt und warum er lieber über ein neues Oasis-Album sprechen würde.

Der britische Musiker Liam Gallagher steht in Hamburg im «Docks» bei der «Warner Music Night» im Rahmen des Reeperbahn Festivals auf der Bühne. Bild: Keystone

Der britische Musiker Liam Gallagher steht in Hamburg im «Docks» bei der «Warner Music Night» im Rahmen des Reeperbahn Festivals auf der Bühne. Bild: Keystone

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Es ist nicht klar, ob Liam Gallaghers Medienpräsenz in den letzten Monaten seiner eigenen Originalität zu verdanken ist oder der mangelnden seiner Rockstar-Zeitgenossen. Wohl beidem. Klar ist indes, sie war gross, ja, fast überwältigend – und dabei sehr oft vergnüglich. Galla­gher machte das, was er schon immer tat, und lieferte druckfähige Zitate für die Zeitungsspalten. Die Themenbandbreite reichte dabei vom Kartoffelkochen über Jay-Zs neues Album bis zum Fehlen von Rockstars im Jahr 2017, das er veranschaulichte, indem er Tee kochte – und natürlich fluchte. Ganz egal, was er in letzter Zeit sagte, es wurde aufgegriffen und in den sozialen Medien geteilt. Twitter und Facebook, damit kommt einer wie Liam Gallagher offenbar ganz gut zurecht, auch wenn seine Band Oasis noch die letzte grosse Rockband vor Social Media war. Liam Gallagher, der zusammen mit seinem Bruder Noel mit Skandalen über Jahre die Headlines der britischen Revolverblätter beherrschte, erweist sich noch immer als gewiefter PR-Mann.

Doch wie steht es um seine Musik, fast zwanzig Jahre nach seinen grössten Erfolgen mit Oasis und acht Jahre nach der Auflösung der Band? Hat überhaupt jemand auf ein neues Album von Liam Gallagher gewartet? Gestern ist «As You Were» erschienen, es ist Gallaghers erstes Soloalbum überhaupt – diesem voran gingen zwei eher laue Platten mit seinen Ex-Mitmusikern von Oasis als Beady Eye.

Rotziges Genöle und etwas Sanftmut

Fairerweise muss festgehalten werden, dass niemand von Liam Gallagher etwas Überraschendes erwartet hatte. Folgt man seinen Aussagen, geht es ihm auch vielmehr darum, sein Rockstar-Image mit passender Musik in Einklang zu bringen. Denn nach ihm ist diese Verschränkung von Attitüde und Sound «der Himmel». Diesen Himmel, auch wenn er nicht voller Glocken ist, mag man ihm gönnen, und immerhin sekundiert «As You Were» Gallaghers, wenn man so will, Rockstar-Authentizität gerade recht. Selten aber tut dieses Album mehr als das. Dabei fängt es mit «Wall of Glass» gut an. Ein typischer Oasis-Song, eine solide Rocknummer: Rotziges Genöle kombiniert mit etwas Sanftmut und einem Refrain, der sitzt. Unterfüttert ist das Stück mit einem pumpenden Blues, dessen üppiges Gewand vorwiegend Greg Kurstin zu verdanken ist, der auch für Adeles «Hello» verantwortlich zeichnete. Zusammen mit Andrew Wyatt von der Band Miike Snow hat er ein Drittel der Platte produziert.

Doch auch die Arbeit dieser gestandenen Produzenten kann den Eindruck nicht zerstreuen, dass man hier etwas vorgesetzt bekommt, das einem wohlig vertraut vorkommt, aber oft auch aufgewärmt klingt. An das Schimmern von Oasis kommt es nur im Ansatz heran.

Doch zurück zu Liam Gallaghers öffentlicher Person. Da man bei einem wie ihm davon ausgeht, dass er ehrlich ist, möchte man auch folgende Aussage, die er kürzlich im «Guardian» wiedergab, genau so nehmen: «Ich würde lieber über ein neues Oasis-Album reden als über mein eigenes. Noel und ich waren beide besser zusammen als solo.» Das stimmt schon so.

Liam Gallagher: As You Were (Warner Bros.) (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 05.10.2017, 20:42 Uhr

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