Ein sensibler Rotzlöffel legt nach

Voller Anleihen, aber kein Abklatsch: «Album #2» von Bubi Eifach schliesst nahtlos ans Debüt an. Dieser Rock folgt kinderleichten Rezepten und reüssiert.

Schlaflosigkeit und sinnleere Tage: Bubi Rufener (vorne) baldelt aber auch zart mit der Lebensbejahung an.

Schlaflosigkeit und sinnleere Tage: Bubi Rufener (vorne) baldelt aber auch zart mit der Lebensbejahung an. Bild: Adrian Scheidegger

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Die einfachsten Dinge auszusprechen, kostet oft Überwindung. Besonders in Mundart. Österreichische Bands wie die momentan durchstartenden Wiener Jungs von Wanda trauen sich wieder an schlichte Songtexte heran. Der vor zwanzig Jahren ausgebrochene Schweizer Mundart-Boom schlummert dagegen heute eher tief. Doch nicht ausnahmslos: Der jüngste Weckruf erklingt aus den – während zweier Jahre von einem Tumor ausser Gefecht gesetzten – Stimmbändern des 47-jährigen Christian Bubi Rufener – «Sie würde aui gärn, mir maches», singt er im Lied «Die Angere» auf dem gestern erschienenen «Album #2». Vermutlich hat er recht. Dazu zuckt der Blasebalg von Mario Batkovic im Offbeat. Er ist mit seinem Akkordeon zu Gast und vollendet die sprunghafte Nummer zu einem Chanson.

Diese Zeile des Songs beschreibt die Band genauso treffend wie ihr Name: Bubi Eifach. Sie entsprang dem Dunstkreis von Züri West, auch hier sitzt Gert Stäuble am Schlagzeug. Den eigenen Stil fand sie aber gerade durch ihre Einfachheit. Nahtlos und erfolgreich knüpft sie nun an das kaum zwei Jahre alte Debüt­album an. Auf eine erneute Platzierung in der Hitparade darf spekuliert werden.

Giftiger Stromkasten-Blues

Schlichtheit heisst mitnichten, dass sie nicht wissen, was sie tun. Oli Hartung glänzt an der Gitarre so wie Ere Garber am Bass. Zu viert gelingt es ihnen, die verschiedensten Spielarten der Rockmusik durchzudeklinieren, ohne je nach Abklatsch zu klingen. Selbst das traurige Lied «Alt u Grau» bewahren eine zimperliche Gitarre und südamerikanisch beeinflusste Rhythmen noch knapp davor, allzu sehr nach Baschi zu klingen.

«Hie gits Lüt, die trinke viu u spinne när. Hie gits o Lüt, die trinke nüt, aber spinne no viu meh. Aber niemer liebt mi so wieni di», heisst es auf der Schweinerock-Nummer «Das bringt mi no um». Es klingt, als ob AC/DC auf den Instrumenten von den White Stripes «Lonely Boy» von den Black Keys spielen würden. An letztere zwei Herren aus Ohio erinnert denn auch der giftige Stromkasten-Blues «Fleisch». Der klangliche Biss verdankt sich Produzent Oli Bösch, der die Aufnahmen im Berner Studio U3 betreute.

Ungebremst animalisch

Bubi Rufener singt immer wieder über Schlaflosigkeit und die sinnleeren Tage eines Liebeskranken. «We du meinsch, sigsch ganz elei, aues riisst und biisst, u du kei chraft meh hesch» weiss der ­wehklagende Sänger: «Nüt isch z Schlimmschte, wo cha passiere.» Kein ­lyrisches Glanzstück zwar, aber ehrlich und lebensnah. Durch das Berndeutsche bekommen die Songs ihre Originalität, bleiben simpel und heben sich ab vom Machwerk von Dodo und Mundartpop-Konsorten.

Kinderleicht sind die Rezepte für alle Songs auf «Album #2». Doch die grösste Sorgfalt wurde auf die Zubereitung verwendet . «Was wosch» ist der vorwärts treibende Höhepunkt, schräge Gitarren- und sogar Schlagzeugsolos tönen ungebremst animalisch, wie man es selten von einer Schweizer Rock-’n’-Roll-Band gehört hat. Das tröstet diejenigen, die Bubi Rufener für die Berner Musikszene verloren glaubten, nachdem seine Psyche­delic-Band Bishop’s Daughter und das Trip-Hop-Projekt Boop vom Erd­boden verschwunden waren.

Sie teilen auch mal aus

Anders als viele Bands, die sich auf dem Zweitling verschlimmbessern, hauen Bubi Einfach beherzt in dieselbe Kerbe und teilen auch mal aus: «Im Houptfach unterrichtisch Dumm-Schnurre, u im Näbefach SVP», so besingt Rufener einen sexuell frustrierten Professor «vo der Trinkerakademie» im Song «Für aui Dumme vo Morn». Aber nicht alles scheint verloren; in «Besser» wird mit der Lebensbejahung angebandelt. «Es isch aues viu besser aus i gmeint ha, es isch aues viu schöner aus i je ha dänkt.» Es klingt so unglaubwürdig wie rührend.

Manche Mundartsänger fühlen sich in kauzigem Ulk am wohlsten, andere im roten Kleid oder in einem Hippie-Bus. Bubi Rufener interessiert sich weder für die Pointen noch für eine glatte Konsens­sprache. Er nennt das Kind beim ­Namen. Es ist ein sensibler Rotzlöffel. Wie jeder andere trägt er ihn in sich und lebt ihn aus, denn: «Sie würde aui gärn, mir ­maches.» (Der Bund)

Erstellt: 14.11.2015, 12:24 Uhr

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