Nicht mehr als ein Trostpflaster

Zwar lässt die Stadt das Berner Puppentheater nicht sterben. Dazu bekennen will sie sich aber auch nicht.

Das Berner Puppentheater überlebt zwar, doch es bleibt eng.

Das Berner Puppentheater überlebt zwar, doch es bleibt eng.

(Bild: Beat Mathys)

Lena Rittmeyer@LaRittmeyer

Es werden noch einige Monate ver­gehen, bis klar ist, wie es mit den ältesten noch existierenden Kellertheatern Berns weitergeht. Sicher ist aber schon jetzt: Der Kredit der Stadt, mit dem Stadtpräsident Alec von Graffenried jene Lokale retten will, ist eine Verlegenheitslösung. Je nach Höhe könnte er den Betreibern zwar ein vorübergehendes Überleben sichern; und womöglich öffnen sich die Bühnen auch für die Klein­kunstszene. Ein klares Bekenntnis aber sieht anders aus.

Irritierend ist vor allem die Tatsache, dass man eher einen neuen Kredit schafft, als sich der Diskussion um Qualität und Innovation im Kulturschaffen zu stellen. Dabei wäre genau das nötig: In einer Zeit, in der das kulturelle Angebot dieser Stadt so vielfältig ist wie nie und sich immer mehr Theatergruppen um Förder­beiträge bewerben, können sich die Kellerbühnen nicht mehr leisten, ihre Existenz in erster Linie durch ihre Lage und eine langjährige Tradition zu legitimieren. Von Theatern, die sich städtische Beiträge erhoffen, darf erwartet werden, dass sie einen inhaltlichen Dialog zulassen.

Der Entscheid der städtischen Theaterkommission, gleiche künstlerische Anforderungen an die geschichtsträchtigen Kellerbühnen zu stellen, wie sie auch für freie Gruppen gelten, ist deshalb nachvollziehbar. Die Altstadttheater müssen sich zunehmend gegen eine lebendige freie Theaterszene behaupten. Ohne eine sachliche Aus­ein­an­der­set­zung darüber, was in den Kellern gezeigt werden soll, ist der geplante Kredit aber nicht viel mehr als ein gut gemeintes Trostpflaster.

Der Bund

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