Naach u färn

Wieso in die Ferne reisen, wenn das Schöne so nah ist? Das ist zumindest das Motto von «Mundart»-Kolumnistin Renata Burckhardt.

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Summergripp. Tee trinke. Ingwer chätsche. Salzschpüelige statt Meer. Dr Radius reduziert sech. No meh aus sowieso scho. Bi drum chuum furt gsi dä Summer. Null Luscht gha. Im Juni bin i scho bi 40 Grad z Paris gsi. I liebe Paris. Trotzdäm het mi dä Usflug vom wytere Reise i dene Summerferie abghaute. Ir Metro, am Gare du Lyon, überau isch d Höll los gsi. Me het im Schritttempo dür d Bahnhöf müesse loufe. Horde vo Möntsche. Horde, wo vo A nach B trybe wärde, wie Veh. Dr TGV zrügg i d Schwyz isch ohni mi gfahre, me het mi nümm inegla, i syg z spät. Obwou dr Zug füf Meter vor mir gstanden u drei Minute speter erscht abgfahren isch. E nächschte Sitzplatz hets am nächschte Tag erscht wider gä. Auso nomau e Nacht z Paris. Nid öppe schlimm. Aber äbe, s het mi gheilt vor Idee, im Summer gross gah z reise.

Auso bin i ir Schwyz blybe, mit zwe munzige Abschtächer über d Gränze: Bodesee mit Rägeboge, u Chapelle Notre-Dame du Haut vom Corbusier z Ronchamp. Beidi Mal hets grägnet. Beidi Mau troumhaft gsi. Abgseh vo dene Abschtächer no e Bitz Zürisee, Rebecca Horn im Tinguely Museum, Technorama z Winterthur, Seilpark z Kloten, z Leissigen am See, z Bärn ir Aare, z Kanderstäg im Hotel, Ruedere uf em Oeschinensee.

Ds Veröffentleche vo dene Föteli irritiert mi geng wider. Isch das öppis Archaischs?

Aues troumhaft gsi. Und im Bärner Oberland hets sogar charmanti, offeni, härzlechi Lüt gha. Aber ja, mi Summer het e chlyne Radius gha. Vorauem we me über d Social Medias mitbechunnt, wo d Lüt süsch eso sy häre gfahre u gfloge. Wyt wäg. Ir Färni de fötele vili Lüt bym Ligge ihri blutte Füess vorn eme Hingergrund, syg das Stromboli, griechischi Küschte, Sierra Nevada, Moschee z Istanbul, Skyline vo Singapur u so. Die Föteli pöuschte d Lüt den uf Facebook oder Instagram.

Ds Veröffentleche vo dene Föteli irritiert mi geng wider. Isch das öppis Archaischs? En Art Identitäts-Vrgwüsserig? Im Sinn vo: «Das sind meine Füsse, also gibt’s mich.» Oder söus e Bewys sy, me syg auso würklech dert a däm Ort gsi? Oder ischs en Art Grössewahn? Im Sinn vo: «Meine Füsse sind grösser als eine Kirche, eine Wüste oder ein Vulkan; ja, sogar explosiver.» Oder ischs Narzissmus? «Ich liebe meine Füsse, und weil ich sie liebe, will ich, dass ihr alle sie anschaut.» Vilecht aber ischs on eifach es Schtuune drüber, dass me zäme mit syner Füess zuer Wäut ghört.

Me chönnt es Buech über die blutte Füess i de Social Media schrybe. Philosophisch, soziologisch, psychologisch. Uf jede Fau aber het me vilecht nid e viu grössere Radius, we men ir Färni d Füess fötelet, aus we me deheime blybt, oder?

I säges ja, regional isch e super Sach. Regionali Reise — u regionali Produkt o. Vo wäge grad es Bischpiu: Coop City het nöierdings oberoberbilligi Vase im Sortimänt. Made in China, was süsch. Die Vase aber sy eis zu eis kopiert vo de wunderschöne Vase vo Linck, ere Keramik-Manufaktur z Worbloufe. D Künschtlere u Keramikere Margrit Linck het die Vase kreiert – vor fascht 80 Jahr. I ha eini drvo. Sie het e faire Prys koschtet; wie sechs ghört für Handmade u regional u wunderschön u grossi Fröid. Göht mau go luege: die Vase, dr Oeschinensee, d Allmenalp z Kandersteg, d Chile vom Corbusier. Göht go luege, s isch aues naach. I hole sider mi Tee ir gfüehlt so färne Chuchi.

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