«Musikalische Schätze zutage fördern»

Christian «Heiko» Wüthrich will mit Radio Bollwerk derjenigen Musik einen Platz einzuräumen, die sonst auf dem Dancefloor von Clubs nicht stattfindet.

Christian «Heiko» Wüthrich.

Christian «Heiko» Wüthrich.

(Bild: zvg)

Herr Wüthrich, beschreiben Sie uns doch bitte die musikalische Ausrichtung von Radio Bollwerk.
Unsere Wurzeln liegen in der avantgardistischen Clubmusik, mittlerweile gibt es aber allerlei unterschiedliche Stile zu hören auf Radio Bollwerk. Es ist unser Bestreben, derjenigen Musik einen Platz einzuräumen, die sonst auf dem Dancefloor von Clubs nicht stattfindet und die vielleicht beim ersten Hören nicht allen zugänglich ist. Wir wollen das Know-how von Musikverrückten und DJs nutzen, welche irgendwo in den Untiefen des Internets oder an Plattenbörsen Schätze zutage fördern, und diese dann nirgends spielen können. Bei uns können sie das.

Pro Tag finden sich ein bis zwei Sendungen im Radio-Bollwerk-Programm. Was läuft denn während der übrigen Zeit?
Da spielen wir DJ-Sets aus unserem Archiv. Wir können mittlerweile auf über 400 mehrstündige Sets zugreifen. Wir erstellen Playlists für den Morgen und Abend, sodass die Musik einigermassen zur Tageszeit passt. Da die ganze Arbeit – also Infrastruktur, Technik, Programmation, Hosting und Schneiden der Audio-Files – vom achtköpfigen Vorstand allein und ehrenamtlich gestemmt wird, sind wir natürlich nicht so professionell unterwegs wie andere Radios. Aber das streben wir auch gar nicht an.

Sie haben seit den Anfängen 2016 von einer wöchentlichen Sendung auf ein 24-Stunden-Programm aufgerüstet. Gibt es Bestreben, Radio Bollwerk zu professionalisieren?
Es wäre natürlich schon toll, eine bessere Infrastruktur zu haben und ein fixes Sendestudio, vielleicht mit einem kleinen Büro dazu, wo die Fäden zusammenlaufen und die Arbeit gebündelt werden könnte. Zurzeit senden wir von zwei verschiedenen Standorten: dienstags und freitags aus dem Abyssinia Social Club, wo wir uns im alten Kiosk eingenistet haben, und mittwochs aus dem Kapitel. Dazu kommen ein bis zwei Events pro Monat von anderen Orten. Wenn wir ein fixes Sendestudio hätten, könnten wir auch mehr kuratorisch tätig sein und vermehrt DJs aus der ganzen Schweiz einladen. Es ist schon fantastisch, welche Vielfalt an Musikschaffen in der Schweiz herrscht, obwohl unser Land doch so klein ist. Es gibt so viele verschiedene Musikszenen, in denen geforscht und gewerkelt wird, und diese Szenen zu vernetzen und gleichzeitig deren Schaffen einem Publikum vorstellen zu können, ist eine tolle Arbeit.

Sie haben kürzlich auch das «KSB Kulturmagazin» unter Ihre Fittiche genommen, den Online-Blog, der früher dieser Zeitung angehörte. Beabsichtigen Sie mit Radio Bollwerk also auch eine Ausweitung in andere, nicht radiofone Gefilde?
Wir sind mit KSB eine Partnerschaft eingegangen, weil wir im Geiste verwandt sind. Beide handeln auf idealistischer Basis – wir in Musik, KSB in Worten. Geplant ist, dass die Crew von KSB eine Sendung auf Radio Bollwerk lanciert, quasi das Radio als Experimentierfeld für Sprache ausloten kann. Wir sind selber gespannt, wie das vonstattengehen wird.

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