Magier absoluter Geometrie

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Paris Versailles, Chantilly, Fontainebleau: Die Gärten von André Le Nôtre sind weltberühmt. Zum 400. Geburtstag des Meisters der barocken Gartenkunst putzt die Nachwelt seine Schöpfungen wieder heraus.

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Der Blick fällt auf Apollo, den griechischen Gott des Lichts, schweift über gestutzte Buchsbaumhecken und ornamentartig angelegte Blumenbeete bis hin zum Grand Canal. Mit dem Schlosspark von Versailles schuf André Le Nôtre das vollendete Beispiel französischer Gartenkunst des 17. Jahrhunderts und Vorbild barocker Gärten weltweit. Zum 400. Geburtstag wird der Gartenbauarchitekt des französischen Sonnenkönigs Ludwig XIV. das ganze Jahr über weltweit gefeiert. Über 20 Jahre haben Gefolgschaften von Gärtnern und Arbeitern in Versailles die Erde umgewälzt, Kanäle ausgegraben, Hunderte von Brunnen ausgehoben und ein Sinnbild der Macht geschaffen: den Triumph der Ordnung über die widerspenstige Natur.

Der am 12. März 1613 in Paris geborene Grossmeister der Gartenkunst hat in den Schlossanlagen von Versailles, Vaux-le-Vicomte, Fontainebleau, Chantilly und Compiègne gewirkt und den Jardin des Tuileries gestaltet. Sein Konzept ist unverkennbar: klare Linien und Proportionen, strenge Achsensymmetrie, herrliche Perspektiven und Auflockerung der geometrischen Monotonie durch Brunnen, Skulpturen und Arkaden. Mit Blumen ging Le Nôtre allerdings sparsam um. Er bevorzugte symmetrisch gepflanzte Baumgruppen und sein «Broderieparterre»: Ziermuster, die durch strenge Durchstrukturierung der Beete und gestutzter Sträucher entstehen.

Seine Gartenkunst diente vielen als Vorbild

Um das 400-jährige Jubiläum seines Gartenkünstlers gebührend zu feiern, hat Versailles das Latona-Bassin, das Herzstück des Gartens, und das dazu gehörige Parterre restauriert, die Vergoldungen des Bassins des Enfants renoviert und das Wäldchen Bosquet du Théâtre d'Eau neu angelegt. Das vor den Toren von Paris liegende Chantilly würdigt den Schöpfer seiner 140'000 Quadratmeter grossen Schlossanlage mit einer Ausstellung. Unter dem Titel «André Le Nôtre und die Gartenkunst in Chantilly im 17. und 18. Jahrhundert» werden Aquarelle und Zeichnungen des königlichen Stargärtners gezeigt, die bislang noch nie in der Öffentlichkeit zu sehen waren.

Der Schlossgarten des Palacio Real in Spanien, die Parkanlagen des königlichen Palasts im italienischen Caserta, die Gärten von Schloss Schönbrunn in Österreich oder der Sommergarten in Sankt Petersburg: Die Gartenkunst von Le Nôtre hat weltweit als Modell gedient. Doch nicht alle sahen in dem streng geometrischen Konzept von Le Nôtre eine Veredelung der Natur. Seine Gegner warfen ihm vor, die Natur zu «vergewaltigen». Der französische Schriftsteller Jean-Jacques Rousseau (1712-1778) entwarf ein Gegenkonzept. Der Philosoph schuf in dem rund 40 Kilometer nordöstlich von Paris entfernten Ermenonville einen Garten, der ausschliesslich der Natur verpflichtet ist.

Le Nôtre starb am 15. September 1700 in seinem kleinen Haus in den Tuilerien, wo schon sein Vater und Grossvater - beide Gärtner im Dienst des französischen Königshauses - wohnten.

SDA

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