«Machs na»

Diesen Samstag findet der 16. Berner Orgelspaziergang statt, ein Format, das schweizweit Nachahmer hat. Autorin Barbara Traber wird den Konzertmarathon mit Texten bereichern.

Ein Streich mit Symbolkraft: Die Brunnenfigur von Insel-Gründerin Anna Seiler in der Marktgasse trägt einen Rettungsring.

Ein Streich mit Symbolkraft: Die Brunnenfigur von Insel-Gründerin Anna Seiler in der Marktgasse trägt einen Rettungsring.

(Bild: Thomas Leutenegger (zvg))

Der Berner Orgelspaziergang ist ein Hit. Bereits bei der ersten Ausgabe 2004 ­haben daran über 700 Mitläuferinnen und Mitläufer teilgenommen. Mittlerweile ist das Konzept so erfolgreich, dass es in der ganzen Schweiz nachgeahmt wird. In Zürich findet dieses Jahr der vierte, in Basel der fünfte und in Luzern der sechste Orgelspaziergang statt. Etwas aber ist in Bern exklusiv geblieben: die Verbindung von Wort und Musik.

In die Konzerte in den Kirchen der Berner Altstadt werden Texte aus prominentem Mund eingeflochten: Auf früheren Orgelspaziergängen haben Autoren wie Lukas Hartmann, Joachim Rittmeyer, Wale Däpp oder Franz Hohler die Konzerte bereichert. Dieses Jahr ist die Berner Schriftstellerin Barbara Traber mit von der Partie. Sie hat sich zum Motto des Orgelspaziergangs Gedanken gemacht.

«Machs na» lautet es und bezieht sich auf eine Inschrift auf einer Platte im Berner Münster von Erhard (auch Erart) Küng, einer wichtigen Künstlerpersönlichkeit im spätmittelalterlichen Bern. Geboren wurde Küng im deutschen Westfalen, wo er 1507 starb. Auf seiner ausgedehnten Wanderschaft verschlug es den Steinmetzen nach Bern. Hier wurde er später Mitglied des Grossen Rats und Werkmeister der Stadt. Ein Ehrenposten: In dieser Funktion nahm er die Erweiterung der Münsterplattform in Angriff und gestaltete das «Jüngste Gericht» am Westportal des Münsters.

Neue Deutungen

Küngs «Machs na» klingt etwas arrogant: «Machs nach, wenn du kannst.» Gemeint ist wohl, so ein Monument wie das Münster zu bauen. Stolz und Selbstbewusstsein sind in Anbetracht der Bauzeit des Münsters zwar angebracht: Sie erstreckte sich über eineinhalb Jahrhunderte. Auf die Gegenwart übertragen würde dies einem Bauprojekt entsprechen, das zur Zeit der Bundesstaatsgründung begann und sich nun seiner Fertigstellung nähert.

Ist der Spruch arrogant oder nicht? Für Autorin Barbara Traber ist das keine Frage mehr.

Arrogant oder nicht? Für Autorin Barbara Traber ist das keine Frage mehr. Seit sie bei ihren Recherchen auf Deutungen gestossen ist, die ihr besser gefielen. Im Gleichnis des barmherzigen Samariters steht in der Lutherbibel «Gehe auch du und handle ebenso». In der berndeutschen Übersetzung von Ruth Bietenhards «Gang jitz und mach’s o so!». Für Traber nichts anderes als «Machs na».

Der Spruch passe bestens zu ihren Texten, sagt sie. Sie sind Frauen (aber nicht nur Frauen) der Berner Geschichte gewidmet, die sich für soziale Werke eingesetzt haben. Wie etwa die Flüchtlingsmutter Gertrud Kurz. Oder Anna Seiler, die 1360 verstorbene Gründerin des Inselspitals. Dass Seilers Brunnen in der Marktgasse vor dem Käfigturm unlängst einen Rettungsring trug, ist für Traber wie ein Symbol für den Orgelspaziergang, in dem auch Flüchtlinge und das grösste Schiffs­unglück auf der Alten Aare thematisiert werden. In Trabers Text kommt Seiler zurück in die Gegenwart, um zu sehen, was aus ihrer Stiftung geworden ist.

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