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Lassen wir das Rätoromanische sterben!

Alle wollen das Rumantsch am Leben erhalten. Dabei sollten wir es gehen lassen, solange es noch gehen kann. Ein Nachruf von Linard Bardill*

Was gehen muss, muss gehen: Anschlagstafel im Bündner Oberland.
Was gehen muss, muss gehen: Anschlagstafel im Bündner Oberland.

Das Problem der Rätoromanen? Sie haben keins. Ausser dass sie sterben. Jeder Baum stirbt. Jedes Tier stirbt, jeder Mensch stirbt. Jede Sprache stirbt. Eines Tages. Irgendwann spricht keiner mehr Lateinisch oder Osterinselisch oder Sorbisch.

Es gibt eine Gesellschaft für bedrohte Völker. Da geht es aber um Prozesse in der Völkergemeinschaft, wo Stämme, Volkszweige oder ganze Völker verfolgt und ihrer Identität beraubt werden. In Peru, in Mikronesien, in den USA. Überall in der Welt. Da sind dann auch die Sprachen bedroht. Die Rätoromanen sind vom Aussterben ohne Verfolgung bedroht. Sie sterben, weil es Zeit ist. Jedes Jahrzehnt sind es 10 Prozent weniger. Das kann man als schlimm bezeichnen, man kann trauern für all die Ortschaften, die schon gekippt sind, der Germanisierung anheimfallen und noch kippen werden. Alle Bemühungen, den Patienten zu retten, versagen. Die neue Einheitssprache Rumantsch Grischun scheint ihn noch weiter ins Fieber zu treiben. Die Rettungsaktionen schlagen ins Leere oder direkt dem Patienten auf die Nieren, die Leber oder den Kopf.

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