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Sind wir nun auf Mallorca oder in Guantánamo?

Thomas Schütte gehört zu den bedeutendsten Künstlern seiner Generation. Ein Besuch im Kunstmuseum Luzern bei der Ausstellung «Houses», die seine Architekturmodelle zeigt.

Auch Terroristen müssen sich mal zurückziehen: Das «Ferienhaus für Terroristen» (2009) ist derzeit im Kunstmuseum in Luzern zu sehen, das Thomas Schütte eine grosse Ausstellung widmet.
Auch Terroristen müssen sich mal zurückziehen: Das «Ferienhaus für Terroristen» (2009) ist derzeit im Kunstmuseum in Luzern zu sehen, das Thomas Schütte eine grosse Ausstellung widmet.
Nic Tenwiggenhorn, © Pro Litteris, Zürich.
Ein Hotel für Vögel: Das «Hotel for the Birds» (Modell 1:5) baute Thomas Schütte 2003 aus Holz, Stahl und Plexiglas.
Ein Hotel für Vögel: Das «Hotel for the Birds» (Modell 1:5) baute Thomas Schütte 2003 aus Holz, Stahl und Plexiglas.
Stefano Schröter, © Pro Litteris, Zürich
Verdichtetes Wohnen: Das «One Man House III» im Blick von aussen.
Verdichtetes Wohnen: Das «One Man House III» im Blick von aussen.
Marian Goodman Gallery, © Pro Litteris, Zürich
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Das Haus füllt den ganzen Raum. In Echtgrösse steht es im Kunstmuseum Luzern und ist doch ein Modell, eine Vorwegnahme der Realität. Auch der Titel des Werkes ist ambivalent: «Ferienhaus für Terroristen». Wie bitte?, fragt sich der Besucher. Sind wir nun auf Mallorca oder in Guantánamo?

Thomas Schütte gehört zu den bedeutendsten Künstlern seiner Generation. Die Fondation Beyeler in Riehen zeigt derzeit seine Skulpturen, die mit ihren feinen Gesichtern und groben Körpern begeistern (TA vom 9. 10.). In Luzern setzt die Kuratorin Fanni Fetzer einen anderen Schwerpunkt, fast könnte man meinen, ein anderer Künstler sei hier am Werk. Die Ausstellung «Houses» präsentiert Architekturmodelle, die Schütte seit rund dreissig Jahren anfertigt. Man trifft auf ein Teehaus, eine Eisdiele oder eben ein Ferienhaus für Terroristen. Doch mit dem Titel sucht Schütte nicht die hohle Provokation, er stellt sein Haus in einen gesellschaftlichen Kontext. Der modernistische Pavillon steht für Komfort, Eleganz, Schönheit. Doch für wen bauen wir diesen Luxus? Wer ist Täter, wer Opfer, wer Feriengast? Der Titel lässt uns hinter die Fassade blicken.

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