Pipilotti Rist verleiht Kraft

Das Kunstmuseum St. Gallen zeigt eine Retrospektive der international bekannten Videokünstlerin Pipilotti Rist.

Pipilotti Rist entführt im Kunstmuseum St. Gallen in farbenfrohe Bilderwelten. «Blutbetriebene Kameras und quellende Räume» ist die erste Retrospektive der Rheintaler Videokünstlerin in der Schweiz. Die Reise, die Kraft verleiht, dauert bis zum 25. November.

Blutbetriebene Kameras sind für Pipilotti Rist Augen. Mit ihren eigenen, türkisfarbenen, saugt die knapp 50-Jährige Bilder ein und produziert daraus Videos. Die Technik sei zwar nie so gut, wie die Augen, sagte Pipilotti Rist am Freitag an der Medienorientierung vor der Ausstellungseröffnung. Doch schön sind die Bilder allemal und sie sollen den Besuchern neue Energie verleihen, wie die Videokünstlerin hofft.

Erste Retrospektive in der Schweiz

«Blutbetriebene Kameras und quellende Räume» ist die erste Schweizer Retrospektive in der 25-jährigen Karriere von Pipilotti Rist. «Wir sind stolz, die wegweisende Figur der zeitgenössischen Videokunst zu Gast zu haben», sagte Roland Wäspe, Direktor des Kunstmuseum St.Gallen.

Sie sei glücklich über die Ausstellung in ihrem Heimatkanton, aber auch etwas ängstlich, was ihre Verwandtschaft dazu sagen werde, sagte Rist: «Ich habe ihnen viel zu verdanken, zum Beispiel meinem Onkel, der mir seine Schafe vor die Kamera trieb».

Mit Hilfe des Onkels ist einer von vielen Filmen entstanden, aus denen Rist ihre Installationen kreiert. Zu sehen sind die kuscheligen Tiere in der raumgreifenden Arbeit «Administration Eternity» im Oberlichtsaal des Kunstmuseums.

Welt der Illusionen

Wer den Raum betritt, wird eingesogen in eine Welt der Illusionen und wandelt wie in Trance durch eine bewegte und farbenprächtige Wunderwelt von bespielten, halbtransparenten Tüllvorhängen. Die Musik dazu wirkt meditativ, lullt ein und verstärkt die schöne Traumlandschaft.

Der Besucher wird selbst Teil des bewegten Kunstwerks, indem er zur Projektionsfläche wird und Schatten wirft. Neben dem individuellen Erlebnis, das einzigartige Glücksgefühle auslösen könne, stelle sich auch ein Gefühl der Gemeinschaft ein, sagte Konrad Bitterli, Kurator. Mit dieser Gemeinschaft beschäftigt die Künstlerin sich immer wieder.

Gemeinsam statt einsam

Statt einsam vor einem Bildschirm zu hocken, sollen sich die Besucher gemeinsam Energie aus ihren Arbeiten holen, findet die Künstlerin. Zum Beispiel in «Perlen der Zeit aka Sip My Ocean»: Bequem auf einem flauschigen Teppich sitzend und in die aus ausgestopften Kleidern genähten Sitzkissen gekuschelt, lassen sich die schönen Projektionen von Unterwasserwelten besonders geniessen.

Die Arbeit sei in einer ersten Version für die erste Ausstellung im Kunstmuseum St. Gallen entstanden, sagte Roland Wäspe, Direktor des Kunstmuseums. Die zugleich letzte Ausstellung fand 1994 statt. «Sie war der Startschuss für Pipilotti Rists globale Karriere», sagte Wäspe.

sda

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