Erstmals eine Frau an der Spitze der Kunsthalle

Die 36-jährige Basler Kuratorin Valérie Knoll wird ab Mai 2015 die Geschicke der Berner Kunsthalle verantworten. Derzeit leitet sie die Halle für Kunst in Lüneburg.

Valérie Knoll übernimmt ab Mai 2015 die Direktion der Kunsthalle Bern.

Valérie Knoll übernimmt ab Mai 2015 die Direktion der Kunsthalle Bern. Bild: zvg

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Der Vorstand der Kunsthalle Bern hat Valérie Knoll am Montag zur neuen Direktorin gewählt. Sie ist die erste Frau an der Spitze der 1918 gegründeten Berner Kunsthalle. Ausgewählt wurde sie unter insgesamt 83 Bewerberinnen und Bewerbern aus der ganzen Welt, darunter aus Brasilien, Israel, Lettland, Schweden und den USA.

Die 1978 in Basel geborene Kunstwissenschaftlerin hat sich in Deutschland und in der Schweiz einen Namen als ­Kuratorin und Kunstkritikerin gemacht. Valérie Knoll arbeitete unter anderem für die Galerie Freymond-Guth in Basel. Seit 2011 steht sie dem Kunstverein Lüneburg vor und ist gleichzeitig Co-Leiterin der dortigen Halle für Kunst. Sie hat diverse grössere Editionsprojekte betreut und ist ehemalige Autorin der New Yorker Kunstzeitschrift «Artforum International». In Lüneburg hat Knoll im Rahmen der jeweiligen Ausstellungen – momentan stellt der Londoner Marc Camille Chaimowicz seine Lampenskulpturen aus – Workshops und praxisorientierte Führungen entwickelt, die sich insbesondere an ­Kinder, Jugendliche und Schulklassen richten.

Für Bern schwebt Knoll vor, Einzel- und Gruppenausstellungen durch «variantenreiche Formate wie Vortrags- und Gesprächsreihen, Workshops oder Symposien» zu ergänzen. Gleichzeitig möchte Valérie Knoll die Kunsthalle Bern durch vielfältige internationale Kooperationen weiter profilieren und noch stärker mit Kultur- und Bildungsinstitutionen der Stadt Bern verbinden.

«Gewinnende Art»

Die designierte Direktorin will auf Nachfrage in dieser «Institution von internationaler Reputation ein Programm auf ­hohem Niveau weiterführen» und einen «Brückenschlag zwischen den lokalen, der nationalen sowie der internationalen Kunstszene schaffen».

Von einer «erfreulichen und sehr guten Wahl» spricht Christian Gossweiler, Präsident des Vereins Kunsthalle. Das Geschlecht habe dabei keine Rolle gespielt, die designierte Nachfolgerin von Fabrice Stroun habe vielmehr mit ihren programmlichen Vorstellungen zu überzeugen vermocht. Er streicht die «gewinnende, kommunikative Art» der neu gewählten Direktorin hervor und weist darauf hin, «dass ihr die Förderung junger, wenig bekannter Künstlerinnen und Künstler ein wichtiges Anliegen ist». Der Vorstand der Kunsthalle Bern anerkennt laut Pressemitteilung ausserdem ihre «wertvollen Erfahrungen in der Kunstvermittlung und der Mitgliederbetreuung eines Kunstvereins», die sie während ihrer Zeit in ­Lüneburg habe sammeln können.

Nach dem vorzeitigen Abgang von Fab­rice Stroun, der aus der Off-Szene kam und nicht zuletzt an seiner gegen aussen wenig kommunikativen Art sowie seiner mangelnden Vertrautheit mit einer öffentlichen Kulturinstitution scheiterte, war allgemein erwartet worden, dass der Nachfolger oder die Nachfolgerin über ausgewiesene Erfahrungen und Kompetenzen auf diesen Gebieten ver­fügen muss. Christian Gossweiler betont, dass man bei der Wahl von Valérie Knoll von der Frage geleitet worden sei, wie die Zukunft der Kunsthalle aussehen soll: «Wir haben keine Vergleiche mit der Vergangenheit der Kunsthalle angestellt.»

Valérie Knoll wird ihre neue Stelle in Bern voraussichtlich im Mai 2015 antreten. Weil Fabrice Stroun die Kunsthalle bereits Ende Februar verlässt, überbrückt die Kuratorin Donatella Bernardi die Zeit bis zum Amtsantritt Knolls.

Im Zuge einer Reorganisation der Strukturen in der Kunsthalle hat der Vorstand bereits beschlossen, dass die einzelnen Aufgabengebiete im Haus besser voneinander abgegrenzt werden müssen. Der Vorstand will nicht zuletzt die Vernetzung mit den Hochschulen und den Behörden sowie eine aktivere Öffentlichkeitsarbeit vorantreiben.

Im Rahmen einer geplanten Verjüngung des Vorstandes wird auch Christian Gossweiler im kommenden Jahr sein Amt als Präsident abgeben. Die Funktion des Präsidenten werde nun in Absprache mit Valérie Knoll genau definiert: «Geplant ist eine kurze gemeinsame Übergangsphase mit der neuen Direktorin, ehe ich spätestens im August 2015 abtreten werde.» (Der Bund)

Erstellt: 17.12.2014, 07:49 Uhr

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