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Hofmaler der ungeschminkten Wahrheit

Francisco de Goya arbeitete für Spaniens Königshaus und war begeistert von der Französischen Revolution. Seine grandiosen Porträts beschönigen nichts.

Da steht der König in all seiner Herrlichkeit. Die rechte Hand umklammert das Zepter, das ihm Napoleon Bonaparte entrissen hatte. Mit der linken schiebt er den purpurfarbenen Brokatumhang zurück, damit alle königlichen Insignien einschliesslich des Ordens vom Goldenen Vlies dem Betrachter nur ja nicht entgehen.

Aber es entgehen ihm auch nicht die viel zu kurzen Stumpenbeine, die verdreht zum massigen Oberkörper stehen, auf dem ein eckiger Kopf thront. Es entgeht ihm nicht der Gesichtsausdruck von Ferdinand VII., eine gehässige, hinterlistige Fratze mit vorgeschobenem Kinn. Nichts an diesem Mann mag zusammenpassen – und genau diesen Eindruck zu erwecken, ist die Absicht von Francisco de Goya, Hofmaler des spanischen Königshauses, der dieses Ölgemälde 1814 anfertigte, als Europas Staatenordnung endgültig aus den Fugen geraten war. Besser gesagt: anfertigten musste. Die Herrschenden in seiner Heimat zu malen, das war schliesslich sein Job.

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