Das Ringen um das Gurlitt-Erbe geht weiter

Die Cousine von Cornelius Gurlitt legt dem Gericht weitere Gutachten vor, welche die Unzurechnungsfähigkeit des Sammlers belegen sollen.

Experten stufen Gurlitt zum Zeitpunkt der Testamentabfassung als nicht testierfähig ein.

Experten stufen Gurlitt zum Zeitpunkt der Testamentabfassung als nicht testierfähig ein.

(Bild: Keystone)

Kommt die Sammlung nach Bern oder kommt sie nicht? Auch fast zwei Jahre nach dem Tod von Cornelius Gurlitt (1932–2014) steht nicht fest, was mit seiner umfangreichen Sammlung geschieht, die auf 40 bis 50 Millionen Franken geschätzt wird. Der Fall ist noch immer beim Oberlandesgericht (OLG) München hängig, das darüber entscheiden muss, ob das Kunstmuseum Bern Gurlitts Erbe antreten darf.

Das Testament, das Gurlitt vier Monate vor seinem Tod zugunsten des Museums verfasste, ist von seiner Cousine Uta Werner angefochten worden, mit der Begründung, der 82-Jährige sei nicht zurechnungsfähig gewesen. Ein vom OLG in Auftrag gegebenes Gutachten kam im Dezember 2015 zum gegenteiligen Schluss: Da ist zwar von schweren psychischen Erkrankungen die Rede, Gurlitt sei aber testierfähig gewesen.

Diesem Gutachten widersprechen nun drei neue Gutachten, die Uta Werner in Auftrag gegeben hat. Gemäss dem Schreiben von Werners Sprecher Thomas Pfaff soll eines dem Gerichtsgutachten methodische Fehler nachweisen, während die beiden anderen unabhängig voneinander zum Ergebnis gekommen seien, dass Gurlitt zum Zeitpunkt der Testamentsabfassung nicht testierfähig gewesen sei, ein Umstand, den bereits das erste Gutachten von November 2014 festgehalten habe. Pfaff stellt weiter in Aussicht, dass Uta Werner je nach Entscheid des Gerichts eine Rechtsbeschwerde nicht ausschliesse.

Ausstellungstermin noch unklar

«Wir haben damit gerechnet, dass die Anwälte von Uta Werner versuchen werden, das Gerichtsgutachten anzugreifen», sagt Marcel Brülhart. Wie lange es dauert, bis ein endgültiger Entscheid im Erbstreit vorliegt, dazu will der Vizepräsident der Dachstiftung «Kunstmuseum Bern – Zentrum Paul Klee» keine Prognosen stellen. So steht auch noch nicht fest, wann die in Bern vorgesehene Ausstellung mit Bildern aus der Sammlung Gurlitt stattfinden wird. «Wir planen diese Ausstellung zusammen mit der Kunsthalle Bonn», sagt Brülhart. «Die beiden Ausstellungen sind inhaltlich und zeitlich aneinander gekoppelt. Wird eine verschoben, betrifft dies die andere auch.»

Auch Thomas Pfaff kann nur schwer abschätzen, wann der definitive Entscheid fallen könnte. Es hänge ganz davon ab, ob das Gericht noch weitere Schritte zur Entscheidungsfindung unternehmen werde, also ob es noch zusätzliche Gutachten in Auftrag gebe oder Zeugen anhören wolle, sagt Uta Werners Sprecher. «Juristen rechnen aber erst in der zweiten Jahreshälfte mit einem Entscheid.»

Anwaltsforderungen abgewiesen

Bereits entschieden hat das Münchner Landgericht über die Klage von Hannes Hartung, der von Januar bis März 2014 ein Mandat des Sammlers hatte. Der Münchner Anwalt machte vor Gericht Forderungen aufgrund einer Vereinbarung geltend, die er mit Gurlitts Betreuern geschlossen haben soll.

Gemäss dieser Abmachung hätte ihm ein Honorar zugestanden, das vom Wert der Gurlitt-Sammlung abhängig gewesen wäre. Unter Umständen hätten seine Ansprüche Kosten in Millionenhöhe bedeutet, welche das Kunstmuseum hätte übernehmen müssen, wenn es rechtmässige Erbin wird. Laut Marcel Brülhart ist die Klage nun vom Gericht abgewiesen worden. Ob Hartung sie weiterzieht, steht zurzeit noch nicht fest. Das Ringen um das Erbe geht weiter

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