Grosse Augenblicke

An der umfassendsten Fotografiewerkschau der Schweiz, der Photo 18, stellen 250 Fotografinnen und Fotografen aus. Was soll man sich da ansehen? Hier unsere Favoriten.

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Erst die Zahlen, denn sie sind eindrücklich: 250 Fotografinnen und Fotografen stellen an der 13. Ausgabe der Photo aus, auf circa 7000 Quadratmetern, und anschauen werden sich das etwa 30'000 Personen. Dazu gibts Dutzende von Sonderausstellungen, Vorträge, Workshops – und unendlich viele Möglichkeiten, sich in diesem fotografischen Wunderland zu verlieren. Damit Ihnen das nicht passiert, haben wir uns erlaubt, eine kleine Vorauswahl zu treffen – mit Programmpunkten, die Sie auf keinen Fall verpassen sollten. Selbst dann nicht, wenn Sie nur ein Stündchen zur Verfügung haben.

Erstmals steigt die grösste Fotografiewerkschau der Schweiz nämlich nicht auf dem Maag-Areal (dort gastiert zurzeit ja die Tonhalle), sondern in zwei Hallen direkt beim Bahnhof Oerlikon. Wem das zu wenig glamourös ist, dem empfehlen wir einen Besuch am Montagabend: Dann nämlich wird der 93-jährigen Grande Dame der Schweizer Fotografie, der Wahl-Pariserin Sabine Weiss, der Preis für ihr Lebenswerk überreicht. Ob Madame Weiss wohl auch noch etwas übers Ausstellungsgelände flanieren wird? Am schönsten, bei aller Zeitnot sei dies zugegeben, ist die Photo nämlich dann, wenn man sich einfach treiben und überraschen lässt.

Freitag bis Dienstag, täglich 11 bis 20 Uhr. Halle 622, Therese-Giehse-Str. 10, und Stage One, Elias-Canetti-Str. 146., Zürich. Eintritt ab 25 Franken. Am diesjährigen «‹Tages-Anzeiger›-Abend des Bildes» unterhält sich der langjährige TA-Chefredaktor Res Strehle mit dem Solothurner Reportagefotografen Christian Bobst. www.photo18.ch

Roger Ballen: A Retrospective

Sparen Sie sich diesen Teil der Photo 18 bis zum Schluss auf. Oder bringen Sie ihn gleich zu Beginn hinter sich. Roger Ballens Bilder sind so verstörend, dass man danach erst mal eine Pause braucht. In den ärmsten Gegenden seiner Wahlheimat Südafrika findet der 67-jährige New Yorker seit den 90er Jahren seine Motive, zeigt eine abgehängte Gesellschaft in ihrem ganzen Elend, aber immer auch mit einem Hauch schrägen Humors. Ein Guckloch in eine Realität, die es neben unserem gepützelten Alltag eben auch gibt. An der Photo 18 kann man nicht nur Ballens bekannteste Bilder in einer Sonderausstellung sehen, sondern dem Meister am Photo-Forum auch live zuhören (Samstag, 20 Uhr).

Director’s Choice Series

Was ist ein gutes Foto? Schwierige Frage im Rahmen eines Foto-Super-Events wie der Photo 18. Zumal sie jeder, der etwas von der Sache versteht, anders beantwortet: 35 Direktorinnen und Direktoren von Fotofestivals rund um den Globus wurden gebeten, ihre ganz persönlichen Lieblingswerke des Jahres 2017 einzuschicken. Herausgekommen ist nicht nur ein ultrasubjektiver bunter Bilderreigen, sondern vor allem auch so etwas wie eine fotografische Tour du Monde – die vor Augen führt, dass auch in unserer (vermeintlich) globalisierten Gesellschaft in Miami immer noch anders geschaut wird als in Paris, als in Buenos Aires, als in Sydney. Verblüffend und sehr unterhaltsam!

Obdachlos in Zürich

Ein angebissener Kebab an der grössten Fotoschau der Schweiz, und dann erst noch unscharf aufgenommen? Aber klar doch. In Zusammenarbeit mit den Sozialwerken Pfarrer Sieber haben die Photo-18-Macher Obdachlose in Zürich gebeten, ihren Alltag während einer Woche mithilfe einer Einwegkamera festzuhalten. Die so entstandene Bildreportage führt die Tradition der Photo fort, unter dem Motto «Die Sicht der Anderen» Einblicke zu gewähren, wo sie sonst nicht möglich sind – etwa im Gefängnis (2010), auf der Flucht (2016), in der geschlossenen Psychiatrie (2017). Die aktuelle Ausgabe nimmt uns mit in ein Leben auf der Strasse. Ehrlich, ungeschönt, unter die Haut gehend.

Niklaus Stauss: Fotograf der Promis

Kein Red Carpet, keine Vernissage in Zürich, an der man ihn nicht erspäht: Niklaus Stauss ist Kult. 60 Jahre schon ist er mit der Kamera unterwegs, hat zwei Millionen Fotos geschossen, auch dieses von US-Autor William S. Burroughs. Bald erscheint im Patrick-Frey-Verlag ein Jubiläumsband – zu Stauss’ 80stem.

Michel Comte: Transition

Was kommt nach Carla Bruni? Die Gletscher! Klingt komisch, trifft im Fall von Michel Comte aber zu. Denn der Zürcher Ausnahmefotograf, der einst mit Mitte 20 von Karl Lagerfeld entdeckt wurde und anschliessend für so ziemlich alle Modezeitschriften dieser Welt so ziemlich alle Supermodels ablichtete, ist vor allem für sein Nacktfoto von der Bruni bekannt. Geschossen, lange bevor sie Madame Sarkozy war, wurde es 2008 für 91'000 Dollar versteigert, was im Elysée-Palast für rote Köpfe sorgte. Tempi passati. Comte, mittlerweile 63, hat die Haute Couture hinter sich gelassen und sich den Gletschern Nepals, Tibets und der Alpen zugewandt. Warum, erzählt er am Freitag, um 20 Uhr.

(Tages-Anzeiger)

(Erstellt: 11.01.2018, 19:23 Uhr)

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