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Die Grenzen des Machbaren erreicht

Die 20. Kunstausstellung in Trubschachen war einmal mehr ein Grosserfolg. Doch jetzt hat der Kulturverein eine Neuausrichtung beschlossen. In Zukunft soll es kleinere Kunstprojekte im Emmentaler Dorf geben.

Das Ende der Kletterstange erreicht: Cuno Amiet in der Turnhalle des Schulhauses Hasenlehn in Trubschachen 2013.
Das Ende der Kletterstange erreicht: Cuno Amiet in der Turnhalle des Schulhauses Hasenlehn in Trubschachen 2013.
Valérie Chételat (Archiv)

Wieder waren im vergangenen Sommer rund 420 Freiwillige im Einsatz, die ehrenamtlich in allen möglichen Funktionen mitgeholfen haben: bei Führungen, beim Parkplatzdienst oder in der Kaffeestube. Sogar die Dorfpfarrerin nahm in ihren Predigten Bezug auf die Kunstausstellung. Die beiden Schulhäuser Dorf und Hasenlehn verwandelten sich in temporäre Museen, im Aussenraum war – bereits seit Ende Mai – der Solothurner Bildhauer Schang Hutter mit seinen von der Verletzlichkeit des Menschen zeugenden Grossplastiken präsent, derweil er in der Aula des Hasenlehn-Schulhauses auch als Grafiker entdeckt werden konnte. Viele der im Rahmen der 20. Kunstausstellung gezeigten 200 Gemälde und Plastiken stammen aus Privatsammlungen und Schätzen von Stiftungen und Museen.

Die grossen Namen der Schweizer Kunst waren in Trubschachen auch dieses Jahr zu sehen, von Ferdinand Hodler und Giovanni Segantini über Cuno Amiet und Félix Valloton bis zu Albert Anker und Giovanni Giacometti. Jede Ausstellung folgte einem bestimmten Thema und baute eine Brücke von den «Ikonen» der Schweizer Kunst bis zu bekannten Werken zeitgenössischer Schweizer Kunstschaffender.

Rund 40'000 Kunstbegeisterte besuchten schliesslich vom 1. bis 23. Juli die Kunstausstellung in Trubschachen. Das bedeutete einen Rekord für die Ausstellung. Die Organisatoren stiessen dieses Jahr allerdings an Kapazitätsgrenzen: Die Infrastruktur war zu Stosszeiten überlastet, der Andrang der Besucher teilweise sehr ungleich über den Tag verteilt und das Verkehrsaufkommen teilweise kaum mehr zu bewältigen.

Der Zyklus ist «vollendet»

In seiner Hauptversammlung am 3. November hat der Kulturverein Trubschachen nicht nur den grossen, einmal mehr national ausstrahlenden Erfolg der 20. Ausgabe gefeiert, sondern auch eine Neuausrichtung beschlossen. Mit der Jubiläumsausstellung sei der «Zyklus der Kunstausstellungen zur Vollendung» gekommen, schreibt der Kulturverein in einer Medienmitteilung. Damit gehört die 1964 erstmals durchgeführte und seither alle vier Jahre stattfindende Kunstausstellung in dieser Form der Vergangenheit an.

Stetig gestiegene Anforderungen

«Es ist jedes Mal ein Abenteuer und ein Wagnis», hatte Oscar Kambly im Sommer gegenüber dem «Bund» gesagt. Bis zuletzt war die Veranstaltung selbsttragend und kam ohne Sponsoring und öffentliche Gelder aus. Der Trubschacher Biskuitfabrikant und Präsident des Kulturvereins war die treibende Kraft hinter der Ausstellung. Kamblys Vater und der damalige Dorflehrer Walter Berger hatten vor über einem halben Jahrhundert die zündende Idee. Und so brachte Walter Berger, der eng mit Cuno Amiet befreundet war, Schweizer Kunst eben ins Dorf.

Zu Bergers Zeiten wurden die Bilder noch unkompliziert in Wolldecken eingewickelt und in Privatautos transportiert, im vergangenen Juli begleitete spezielles Personal die in klimatisierten Kisten reisenden Werke. Das Ende dieses Emmentaler «Ausstellungswunders» kommt nicht ganz überraschend: Die Schwierigkeiten für eine aus lauter Freiwilligen bestehende Organisation zeichneten sich bereits in den vergangenen Ausgaben der Ausstellung ab. Die konservatorische Schutzbedürftigkeit der Gemälde nahm ebenso zu wie die Versicherungswerte für die Bilder; gleichzeitig wurden laut der Mitteilung die «Grenzen des Machbaren» bei den Bedingungen für die Sicherheit und für die Infrastruktur erreicht.

Der Kulturverein Trubschachen hat sich nun gegen die scheinbar unumgängliche Professionalisierung ausgesprochen und will sich vielmehr mit neuer Zukunftsausrichtung auf die ursprüngliche Zielsetzung konzentrieren. Der Vorstand wird ein Strategieteam bilden und an der nächsten Hauptversammlung 2018 die neuen Projekte und Strukturen präsentieren. Aus dem «Kern der Schule» sollen Anlässe in den Bereichen Kunst, Gestaltung und Musik entstehen.

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