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«Er hatte jegliche Glaubwürdigkeit verloren»

Gestern gab der umstrittene Pro-Helvetia-Direktor Pius Knüsel seinen Rücktritt bekannt. Jean-Pierre Hoby, Kathy Riklin, Christoph Mörgeli und andere beurteilen gegenüber Redaktion Tamedia seine Arbeit.

«Pius Knüsel war ein sympathischer Querdenker, der allerdings nicht ins System gepasst hat. Als er seine Ziele erreicht hatte (mehr Kompetenzen für Pro Helvetia bei der Förderung, eine klare Aufgabenteilung), verlor er das Interesse an seinem Job. Während seiner Amtszeit hatte er kaum Schwerpunkte gesetzt. Gerade die jungen Künstler wurden meiner Meinung nach nicht genügend gefördert. Stattdessen überliess man sie dem Markt und investierte Geld in arrivierte Künstler wie Pipilotti Rist. Kurz, man betrieb Kulturpolitik mit der Giesskanne. Sein Abtritt kommt nach der Veröffentlichung seines Buches nicht überraschend. Der Druck seitens Parlament, aber wohl auch vom Bundesamt für Kultur, war zu gross. Wenn man als Chef sagt, man gebe das Geld nicht gescheit aus, lässt sich das schwer verteidigen.»
«Pius Knüsel war ein sympathischer Querdenker, der allerdings nicht ins System gepasst hat. Als er seine Ziele erreicht hatte (mehr Kompetenzen für Pro Helvetia bei der Förderung, eine klare Aufgabenteilung), verlor er das Interesse an seinem Job. Während seiner Amtszeit hatte er kaum Schwerpunkte gesetzt. Gerade die jungen Künstler wurden meiner Meinung nach nicht genügend gefördert. Stattdessen überliess man sie dem Markt und investierte Geld in arrivierte Künstler wie Pipilotti Rist. Kurz, man betrieb Kulturpolitik mit der Giesskanne. Sein Abtritt kommt nach der Veröffentlichung seines Buches nicht überraschend. Der Druck seitens Parlament, aber wohl auch vom Bundesamt für Kultur, war zu gross. Wenn man als Chef sagt, man gebe das Geld nicht gescheit aus, lässt sich das schwer verteidigen.»
Keystone
«Knüsel musste gehen, weil er ein Tabu gebrochen hat – das Imperium der Kulturprofiteure hat zurückgeschlagen. Knüsel kam mit der Zeit zu vernünftigen Ansichten; sein Buch widerspiegelt den Kulturartikel des SVP-Parteiprogramms. Auch die Straffung der Organisation ist ihm zugutezuhalten. Dass er nun zurücktreten muss, ist bedauerlich.»
«Knüsel musste gehen, weil er ein Tabu gebrochen hat – das Imperium der Kulturprofiteure hat zurückgeschlagen. Knüsel kam mit der Zeit zu vernünftigen Ansichten; sein Buch widerspiegelt den Kulturartikel des SVP-Parteiprogramms. Auch die Straffung der Organisation ist ihm zugutezuhalten. Dass er nun zurücktreten muss, ist bedauerlich.»
Keystone
«Ich glaube nicht, dass die Kontroverse um sein Buch ausschlaggebend war. Unter Knüsels Führung hat sich die Pro Helvetia organisatorisch konsolidiert. Mit neuen Betätigungsfeldern wie den Game Cultures und den Schwerpunkten in der Volkskultur wurden nötige neue Akzente gesetzt. Am Grunddilemma der grossen Aufgabe, der nur bescheidene Mittel gegenüberstehen, hat sich jedoch nichts geändert.»
«Ich glaube nicht, dass die Kontroverse um sein Buch ausschlaggebend war. Unter Knüsels Führung hat sich die Pro Helvetia organisatorisch konsolidiert. Mit neuen Betätigungsfeldern wie den Game Cultures und den Schwerpunkten in der Volkskultur wurden nötige neue Akzente gesetzt. Am Grunddilemma der grossen Aufgabe, der nur bescheidene Mittel gegenüberstehen, hat sich jedoch nichts geändert.»
Keystone
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Nach zehn Jahren ist Schluss: Pius Knüsel tritt auf Ende September als Direktor der Kulturstiftung Pro Helvetia zurück. Der Zeitpunkt sei ideal, da die Stiftung die durch das Kulturförderungsgesetz ausgelöste Reorganisation gemeistert habe, teilte die Pro Helvetia gestern mit. Knüsel selber scheint sich vermehrt als Publizist betätigen zu wollen, wie er im Gespräch mit dem «Tages-Anzeiger» (Ausgabe vom 24. Mai) antönte: Sein Buch «Der Kulturinfarkt» habe die Motivation noch gesteigert.

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