Die wirren rechten Ideen des Joseph Beuys

Hans Peter Riegel veröffentlicht eine Biografie des wohl bedeutendsten deutschen Künstlers der Nachkriegszeit - und rekonstruiert dessen Nähe zum Nationalsozialismus.

Hätte er seine soziale Utopie nicht im Umfeld von linken Denkern entwickeln können? Der Künstler Joseph Beuys in den Siebzigerjahren beim Kameradschaftsabend der Stuka-Flieger. (Bild: Süddeutsche Zeitung/Riverside Publishing)

Hätte er seine soziale Utopie nicht im Umfeld von linken Denkern entwickeln können? Der Künstler Joseph Beuys in den Siebzigerjahren beim Kameradschaftsabend der Stuka-Flieger. (Bild: Süddeutsche Zeitung/Riverside Publishing)

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Umgab sich Joseph Beuys mit ehemaligen Nationalsozialisten? Der Autor Hans Peter Riegel veröffentlicht eine erweiterte Auflage seiner Biografie des wohl bedeutendsten deutschen Künstlers der Nachkriegszeit. Darin rekonstruiert er das intellektuelle Umfeld um Joseph Beuys und kommt zu dem Fazit, dass der ehemalige Hitlerjunge und Berufssoldat - der Kameradschaftsabende seiner Stuka-Einheit auf der Krim besuchte - eine unheimliche Nähe zu ehemaligen Nationalsozialsten, Anthroposophen und Vertretern völkischen Gedankenguts pflegte. «Er hat sich nie von seiner Jugend oder NS-Zeit distanziert», sagt Riegel.

Der Sammler Karl Ströher, Beuys langjähriger Mäzen, habe «sein Vermögen begründet, indem er von der Enteignung seiner jüdischen Partner profitierte», sagt Riegel, «Karl Fastabend, Beuys Sekretär, der in den Siebzigerjahren fast alle politischen Texte für Beuys formulierte, war ein Nazi erster Stunde, SA-Mann, SS-Mann».

Ein Umfeld von «Gestrigen»

Riegel identifiziert viele Denker aus dem Umfeld von Joseph Beuys als «Gestrige». «Werner Georg Haverbeck, in dessen ‹Collegium Humanum› diverse Versammlungen der frühen Grünen stattfanden», sei «schon 1928 NSDAP-Mitglied» gewesen. «Nach dem Krieg wurde er dann Pfarrer der anthroposophischen ‹Christusgemeinschaft›, aber auch Chef der rechtsextremen Lebensschutz-Organisation.»

Das alles sei nicht etwa dem Zufall geschuldet: «Warum ist Beuys nicht mit den Linken zusammen gekommen», fragt der Biograf, der darauf hinweist, dass es in den Sechzigerjahren an der Akademie «vehemente Proteste gegen Beuys wegen seines ‹Germanenkultes› gegeben hat».

In der Gründungsphase der Grünen habe der Künstler sogar Rudi Dutschke in rechte Kreis hineingezogen: «Über Beuys gelangte Rudi Dutschke dann plötzlich mit Altnazis in Hinterzimmer und diskutierte die Gründung der Grünen.» Seine Erkenntnisse, so Riegel, seien durchaus relevant für das Verständnis nicht nur der politischen Figur Joseph Beuys, sondern auch der Kunst. Denn viele Mythen - wie die «Tataren-Legende», die der Künstler um sein Werk spann -, seien Phantasmen. Riegel sagt, die «Märchen» dienten vor allem der Ablenkung davon, dass Beuys im Atelier lediglich die Lehren von Rudolf Steiner in plastische Werke übersetzt habe: «Er wäre gescheitert, wenn man erkannt hätte, dass seine Arbeiten den wirren Ideen Steiners gewidmet waren.» (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 09.05.2018, 10:22 Uhr

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