Zum Hauptinhalt springen

Die Schichten der Stadt

Die Galerie Béatrice Brunner zeigt Werke der Bernerin Maia Gusberti, die soeben mit dem Frauenkunstpreis ausgezeichnet wurde.

Eine Sache indirekt anzugehen, heisst nicht unbedingt, sie zu verfehlen. Maia Gusberti zum Beispiel, die soeben den Frauenkunstpreis erhalten hat, zieht einen mit ihren Arbeiten, so spröd sie auf den ersten Blick scheinen mögen, in die Sache hinein. Um Schichtungen und neues Zusammensetzen geht es Gusberti, um das Auf- und Zufalten der Wirklichkeit. Als Folie dafür verwendet sie ein klassisches Motiv der Kunst: die Stadtvedute.

Gusberti arbeitet multidisziplinär, ihr Werk befindet sich irgendwo zwischen den Medien: zwischen dem Foto eines Stadtfotos, auf dem eine Papierfigur steht wie in «Terrain Vague», zwischen der Wand mit Foto einer Wand mit Foto einer Wand mit Foto einer Wand wie in «Die 4te Wand» oder zwischen dem Film einer Hand, die ein Buch durchblättert und dem aufgefalteten Buch in der Vitrine vor dem Bildschirm. Das ist sprachlich alles komplizierter als visuell, doch man versteht das Prinzip: Bei Gusberti ist es nicht die Welt, die Rahmen für die Bilder baut, es sind die Bilder, die die Welt rahmen.

Ein Haufen von Bruchstücken

«Fragments of a city without a map» besteht aus einem Puzzle in seinen verschiedenen Vollendungsstadien. Es zeigt die Ansicht einer Stadt, die sich nach und nach zusammensetzt, aber dem Puzzle voraus geht ja die Zerstörung eines Bildes. Der Spass am Zusammensetzen besteht nun darin, das Geschehene rückgängig zu machen, allerdings ohne dass seine Spuren ganz verschwinden würden. Das fertige Puzzle ist durchzogen von Bruchlinien. Um dahin zu gelangen, kann man sich am äusseren, noch abwesenden Bild orientieren oder an seiner inneren, geometrischen Struktur, der Form der einzelnen Teilchen. Diese innere Struktur aber ist die Spur der strukturierten Zerstörung. Und auch sie lässt sich leicht wiederholen, wenn das Puzzle nämlich, in seine Einzelteile zerlegt, nichts mehr ist als ein Haufen von Bruchstücken. Städten geht es genauso.

Wie Aleppo riecht

Das zeigt sich im zweiten Raum der Galerie Brunner, den Gusberti mit vielen Seifen ausrüstet, Seifen aus Aleppo. Die aus Olivenöl und Lorbeer hergestellte Aleppo-Seife ist eine der ältesten Seifenarten der Welt und wird in und um die kriegsversehrte Stadt nach wie vor nach traditionellen Methoden hergestellt. In Europa ist sie als angeblich naturnahe orientalische Kosmetik beliebt. Gusberti gibt den Blöcken eine Ordnung, die an eine Stadt erinnert. Man glaubt Türme zu sehen, Häuserblocks und Strassen, doch gleichzeitig legt sich darüber das Bild eines Trümmerfelds, umweht von einem Geruch, in dem wohl auch das Kraut des Siegeskranzes durchschlägt.

Ausstellung in der Galerie Béatrice Brunner bis 28. Oktober. www.beatricebrunner.ch

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch