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Die Ikonenmalerin, die selbst zur Ikone wurde

Als Künstlerin galt sie als Wunderkind, als Femen-Aktivistin zog sie die Aufmerksamkeit auf sich - auch die der Repressionsorgane. Nun ist Oksana Schatschko gestorben.

Schatschko hatte mit drei anderen Aktivistinnen Femen 2008 in der Ukraine gegründet: Schatschko bemalt 2012 eine Wand in ihrer Wohnung in Kiew, Ukraine.
Schatschko hatte mit drei anderen Aktivistinnen Femen 2008 in der Ukraine gegründet: Schatschko bemalt 2012 eine Wand in ihrer Wohnung in Kiew, Ukraine.
Reuters

Wer gehört werden will, muss provozieren: Das war das Motiv für die Frauen von Femen, ihre Brüste zu entblössen. Ihre Anliegen – der Kampf gegen Sextourismus, Homophobie, Diskriminierung von Frauen – waren in der Ukraine der 2000er-Jahre kein Thema. Ähnlich wie bei den 68er-Studenten galten Frauenfragen als nachrangig, als «Nebenwiderspruch», wenn überhaupt. Die nackte Brust war aber ein so starkes, vieldeutiges und im politischen Kontext aggressives Symbol, dass man hinschauen musste: eben nicht nur auf die Brüste, sondern auch auf das, was sie sagen wollten (und was manchmal einfach auf Oberkörper oder Rücken gepinselt war).

Etwa: «Die Ukraine ist kein Bordell!», zu einer Zeit, als Besucher aus ganz Europa sie als solches betrachteten. Das war die erste Aktion der jungen Frauen, die sich Femen nannten. Eine von ihnen war Oksana Schatschko. Da war sie erst 21 und hatte schon einen langen Weg hinter sich.

Verhaftet, entführt, geschlagen

1987 in der Provinzstadt Chmelnitzki geboren, galt sie als Wunderkind der Ikonenmalerei. Bereits mit acht durfte sie eine Spezialschule besuchen, in der man die traditionellen Techniken mit Gold- und Metallfarben auf Holz und die streng geregelten religiösen Motive lernte. Sie schmückte Kirchen, wäre beinahe Nonne geworden. Das Philosophiestudium katapultierte sie ins andere Extrem: radikale Religionsfeindschaft.

Zusammen mit Anna Hutsol und Sasha Shevtchenko entwickelte sie die Femen-Auftritte. Die sie selbst auch als Kunstaktion verstand: das Bild eines Mädchens mit Blumenkranz im Haar und erhobener Faust wurde selbst zur Ikone, zur Ikone des Feminismus. Die Femen-Frauen bekamen ihre Aufmerksamkeit, auch die der Repressionsorgane.

Als sie gegen Putin oder den weissrussischen Machthaber Lukaschenko protestierten, wurden sie verhaftet, entführt, geschlagen, mit dem Tode bedroht. 2013 ging Oksana Shashko nach Paris, erhielt politisches Asyl, verliess Femen und begann wieder zu malen: Nun waren es Anti-Ikonen.

Am Montag wurde die 31-Jährige tot in ihrer Wohnung aufgefunden. Sie hinterliess einen Abschiedsbrief.

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