Zum Hauptinhalt springen

Der Chinese, der die Kunstexperten narrte

Vieles ist in den USA «made in China» – offenbar auch einige der Kunstwerke in berühmten Galerien: In New York ist einer der grössten Fälscherskandale der letzten Jahrzehnte aufgeflogen.

Diese Kunst soll echt sein: Eine Galerie in New York.
Diese Kunst soll echt sein: Eine Galerie in New York.
AFP

Pei-Shen Qians Arbeiten wurden auf der ganzen Welt ausgestellt: In New Yorker Galerien, internationalen Museen und sogar einer US-Botschaft. Doch Pei-Shen Qian kannte, zumindest bis vor wenigen Tagen, niemand. Denn was er malte, trug viel klangvollere Namen: Barnett Newman, Richard Diebenkorn, Mark Rothko und sogar Jackson Pollock.

Der Chinese, ein kleiner Maler aus Queens, soll die zentrale Figur eines gewaltigen Fälscherskandals sein, in dessen Mittelpunkt das aufsehenerregende Ende von New Yorks ältester Galerie stand.

M. Knoedler & Co war in New York, ja in der weltweiten Kunstwelt eine Institution. Der Schwabe Michel Knoedler hatte sie 1846 übernommen, und eineinhalb Jahrhunderte ging in New York, wer Kunst liebte und Geld hatte, zu Knoedler.

Ein «Erbe» verkauft seine Bilder

Ende der Neunzigerjahre schien der Galerie ein besonderer Coup zu gelingen: Eine Mexikanerin, Glafira Rosales, vermittelte den Kauf von unbekannten Werken der grossen, der ganz grossen Amerikaner. Ein Mann, der natürlich anonym bleiben wolle, habe sie von seinem Vater geerbt und wolle die Bilder jetzt verkaufen. Knoedler und andere griffen zu.

63 Bilder sollen so verkauft worden sein – für Millionensummen. Kein Wunder bei so klangvollen Namen wie Pollock und Co, die oft für Dutzende Millionen gehandelt werden. Die 63 Bilder sollen für mehr als 80 Millionen Dollar (rund 73 Millionen Franken) weggegangen sein.

Doch nach ein paar Jahren hagelte es Klagen. Ein Pollock für 17 Millionen sollte gar kein Pollock und ein Rothko für 8,3 Millionen kein Rothko sein. Experten gaben den wütenden Käufern recht: Entweder stimmte die Technik nicht oder auf der Leinwand war Farbe, die es zu Lebzeiten der Künstler noch gar nicht gab. Die Streitwerte summierten sich auf Dutzende Millionen Dollar. Ende 2011, plötzlich und unerwartet, schloss Knoedler – nach 165 glanzvollen Jahren.

Und Pei-Shen Qian soll an allem schuld sein? Wohl kaum, denn der Chinese, den die «New York Times» jetzt als den angeblichen geheimnisvollen Maler nannte, ist von der kriminellen Energie her offenbar ein kleines Licht. Seit 40 Jahren lebt er in den USA, doch bekannt geworden ist er nicht.

Rosales und ihr Freund sollen den Strassenmaler vor zwei Jahrzehnten angesprochen haben, ob er nicht ein paar spezielle Bilder für sie malen könne. Also pinselte der Chinese die Grossen der Kunst hinter den verhängten Fenstern seines Hauses und kassierte laut «New York Times» für jedes Bild ein paar Tausend Dollar.

Kopieren nicht verboten

Im Gegensatz zu Pei-Shen Qian wurde Rosales im Mai festgenommen. Denn das Kopieren von Originalen ist nicht strafbar, nur der Verkauf als Original. Zudem ist nicht bewiesen, ob Pei-Shen Qian wirklich der geheimnisvolle Maler ist. «Er hat Talent, aber ich glaube nicht, dass er so gut malen kann», zitiert die «Times» einen früheren Weggefährten.

In Deutschland hatte der Maler Wolfgang Beltracchi einen der grössten Skandale auf dem Kunstmarkt ausgelöst. Im Oktober 2011 wurde er nach einem Geständnis zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

Beltracchi hatte zusammen mit seiner Frau Helene und zwei Komplizen gestanden, jahrelang Fälschungen als Werke von Künstlern wie Max Ernst, Max Pechstein, André Derain, Fernand Léger und Heinrich Campendonk in den Markt geschleust zu haben. Renommierte Kunstexperten und weltbekannte Auktionshäuser fielen auf die Fälschungen herein.

SDA/fko

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch