Zum Hauptinhalt springen

Banksy eröffnet Hotel in Bethlehem

Das «Walled Off Hotel» habe den «hässlichsten Ausblick der Welt», nämlich den auf die Mauer zwischen Israel und Palästina, sagt das Management.

khil/luch
Seit neustem auch Hotelier: Banksy. (Video: Tamedia/Reuters)

Wegen des Ausblicks wird in diesem Hotel wohl niemand ein Zimmer buchen: Seine Fenster gehen hinaus auf eine schmale Strasse, gegenüber ragt eine meterhohe Mauer aus Beton auf. Es ist die Mauer, die Israel von den Palästinensergebieten trennt. Von der «Präsidentensuite», sagt das Management, habe man den «hässlichsten Ausblick der Welt».

Banksys neuster Streich: Der Eingang zum Walled Off Hotel in Bethlehem.
Banksys neuster Streich: Der Eingang zum Walled Off Hotel in Bethlehem.
Keystone
Politische Street-Art: Ein Mauergemälde von Banksy in einem der Zimmer ...
Politische Street-Art: Ein Mauergemälde von Banksy in einem der Zimmer ...
Keystone
... und in der Lobby des Walled Off Hotel.
... und in der Lobby des Walled Off Hotel.
Keystone
Für die Öffentlichkeit zugänglich: Ab Mitte März können Touristen im Hotel übernachten.
Für die Öffentlichkeit zugänglich: Ab Mitte März können Touristen im Hotel übernachten.
Thomas Coex, AFP
Viel Beton: Der Ausblick aus dem Zimmer ist eher deprimierend.
Viel Beton: Der Ausblick aus dem Zimmer ist eher deprimierend.
Thomas Coex, AFP
Macht Platz für Kunst: In Zukunft sollen im Hotel Kunstausstellungen mit Werken von palästinensischen Künstlern gezeigt werden.
Macht Platz für Kunst: In Zukunft sollen im Hotel Kunstausstellungen mit Werken von palästinensischen Künstlern gezeigt werden.
EPA/Abed Al Hashlamoun
1 / 8

Andererseits: Vielleicht wird es gerade dieser deprimierende Ausblick sein, für den die Leute sich in einem der neun Zimmer des «Walled Off Hotel» einmieten. Sein Gründer jedenfalls hat sowohl den Standort als auch den Namen seines Hotels sehr bewusst ausgewählt. Er bedeutet «abgeschottet», erinnert aber auch an das Luxushotel Waldorf Astoria in New York.

Der Gründer des «Walled Off Hotel» ist nicht irgendwer, sondern Banksy - weltberühmter Streetart-Künstler, geheimnisumwitterter Anonymus. Und jetzt auch Hotelier.

Ein Israeli und ein Palästinenser bei der Kissenschlacht

Das «Walled Off Hotel», das am Freitag erstmals Journalisten gezeigt wurde, ist in gewisser Weise Banksys jüngstes Kunstprojekt. Die Zimmer sind voll mit seinen Gemälden und Graffiti. In Zimmer Nummer drei ist über dem Bett eine Kissenschlacht zwischen einem Israeli und einem Palästinenser zu sehen. Die Federn, die dabei aus den Kissen fliegen, sprenkeln die Wand.

Es ist aber auch ein echtes Hotel, in dem Menschen aus Bethlehem arbeiten und von Mitte März an Touristen übernachten sollen. Die Stadt Bethlehem, deren Wirtschaft von Pilgern und Touristen abhängig ist, leidet unter den verschärften Kontrollen an Grenzübergängen zwischen Israel und den Palästinensergebieten. Da Bethlehem im Westjordanland liegt, ist es israelischen Staatsbürgern verboten, dorthin zu reisen. Das «Walled Off Hotel» jedoch liegt etwas ausserhalb der Stadt in einem Gebiet, das Israelis betreten dürfen.

«Mauern sind gerade gross in Mode»

Es ist nicht das erste Mal, dass Banksy mit seiner Kunst auf die Opfer des Nahostkonflikts aufmerksam macht. 2005 und 2007 hat der britische Künstler bereits mehrer Graffitti an der Mauer dort hinterlassen. Unter anderem die berühmte Ratte, die eine Steinschleuder in den Pfoten hält. Anfang 2015 hinterliess er Werke im Gazastreifen. Ein Beispiel: Auf eine Haustür, die nach einem Bombenangriff einzig von einem Haus übrig geblieben war, sprühte er das Bild einer verzweifelten Niobe - der griechischen Sagengestalt, die um ihre toten Kinder trauert.

Im «Walled Off Hotel» sollen in Zukunft Kunstausstellungen mit Werken von palästinensischen Künstlern gezeigt werden. Weil es für sie schwer ist zu reisen, haben sie Probleme, ein internationales Publikum zu erreichen. Banksy will dabei helfen. In seinem Hotel sei jeder willkommen, sagte er in einem Interview mit dem britischen Fernsehsender Channel 4. Und: Er habe keine Kontakte zu politischen Parteien oder Gruppierungen.

Am Ende des Interviews konnte sich der Künstler einen satirischen Kommentar trotzdem nicht verkneifen: «Mauern sind gerade gross in Mode», sagte er. «Aber ich habe sie schon gemocht, bevor Trump sie cool gemacht hat.» (Süddeutsche Zeitung)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch