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Aus Marc Chagalls Familienschatz

Die Berner Galerie Kornfeld feiert ihr 150-jähriges Bestehen. Zum Jubiläum versteigert die Galerie 46 Spitzenwerke aus dem Familiennachlass von Marc Chagall.

Geschätzte 350'000.- Franken soll dieses Bild bringen: Marc Chagall – «Les pivoines des amoureux au clair de lune» (Gouache, Öl, Pastell und Tusche auf festem Velin, ca. 1950).
Geschätzte 350'000.- Franken soll dieses Bild bringen: Marc Chagall – «Les pivoines des amoureux au clair de lune» (Gouache, Öl, Pastell und Tusche auf festem Velin, ca. 1950).
Ebenfalls im Angebot, Schätzpreis 250'000.- Franken: Marc Chagall – «Souvenir du col d'Allos» (Gouache und Tusche auf festem Velin, 1956).
Ebenfalls im Angebot, Schätzpreis 250'000.- Franken: Marc Chagall – «Souvenir du col d'Allos» (Gouache und Tusche auf festem Velin, 1956).
Marc Chagall – «Les mariés dans le ciel de Paris». Der Schätzwert liegt bei 1'250'000.- Franken. (Öl und Tempera auf Leinwand, auf Chassis von Lefebvre-Foinet, 1980 - 1981).
Marc Chagall – «Les mariés dans le ciel de Paris». Der Schätzwert liegt bei 1'250'000.- Franken. (Öl und Tempera auf Leinwand, auf Chassis von Lefebvre-Foinet, 1980 - 1981).
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Es war eine kleine Sensation. 2006 wurde in der Berner Galerie Kornfeld Chagalls «Le Songe» für 2,45 Millionen Franken versteigert. Es war der höchste Preis, der in der Schweiz je für ein Gemälde des Malers bezahlt worden war. Nun, acht Jahre später, könnte dieser Spitzenpreis für einen Chagall noch getoppt werden.

Am 19. und 20. Juni finden in der Galerie Kornfeld Jubiläumsauktionen statt. Neben Kunstwerken des 19. und 20. Jahrhunderts (813 Nummern) und Grafik alter Meister (75) kommen 46 Werke von Marc Chagall (1887–1985) unter den Hammer, ein Posten im Schätzwert von rund 22 Millionen Franken. Für Eberhard W. Kornfeld bedeutet die Auktion indes mehr: Er versteht sie auch als Hommage an einen Künstler, den er auch privat schätzte.

Im Vorwort des schön gestalteten und mit Schwarzweissfotos aus Chagalls Familienalbum sowie Zitaten von Zeitgenossen ergänzten Katalogs gibt der Berner Auktionator und Kunsthändler Kornfeld einen Einblick in seine langjährige Freundschaft zu Chagall. Sie begann bereits in den 1950er-Jahren und dauerte bis zu Chagalls Tod. Mehrmals reiste Kornfeld ins südfranzösische Saint-Paul-de-Vence, wo er in den 1970er-Jahren den ersten Band von Chagalls Werkverzeichnis erstellte.

Er spielte den Samichlaus

Durch Arnold Rüdlinger, den damaligen Leiter der Kunsthalle Bern, und Franz Meyer, den Mann von Chagalls Tochter Ida und späteren Direktor des Kunstmuseums Basel, lernte Kornfeld Marc Chagall kennen. Bis heute erinnert er sich an die Zeit. Und wie er als Freund der Familie später den Samichlaus für Chagalls Enkel spielte. Auch nach dem Tod von Chagalls Tochter Ida, Franz Meyer und Chagalls zweiter Ehefrau Vava blieb der Kontakt bestehen.

Die 46 Chagall-Bilder, die Eberhard W. Kornfeld an der Jubiläumsauktion versteigert, stammen aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, das heisst, aus jener Schaffenszeit, in der er mit dem Künstler einen regen Kontakt pflegte. Unter den Bildern aus dem Familiennachlass sind nicht nur die bekannten lichten, zarten zu finden, sondern auch jene mit mythischen und religiösen Themen, in denen Chagall aus dem Dunkeln arbeitete und mit der Wirkung von Licht-Schatten-Kontrasten experimentierte.

Einige der Bilder müssen dem Künstler besonders teuer gewesen sein. Er hat sie seinen Liebsten Ida und Vava gewidmet. Vavas Liebe hat den Maler wie ein kreativer Genius inspiriert und beflügelt. Im 1957 entstandenen Bild «Le profil vert du peintre» (Schätzpreis 350 000 Franken) gibt Chagall ihm ein Gesicht: Er zeigt ihn als mythisches, grüngesichtiges Tier, das ihm auf dem Lockenkopf hockt und ihm einen Blumenstrauss überbringt.

Ausdrucksvielfalt und Qualität

Es sind Bilder der Superlative, die Kornfeld versteigert. Nicht nur, was die Preise anbelangt, sondern auch die Ausdrucksvielfalt und die Qualität. Unter den angebotenen Werken fällt «Le village en fête» besonders auf. Chagall hat es 1981 im Alter von 94 Jahren gemalt. Das monumentale Gemälde ist mit blauer Ölfarbe signiert. Sein Wert wird auf 2,5 Millionen Franken geschätzt.

In irisierende Blau- und Türkistöne getaucht sind «Les mariés dans le ciel de Paris» (Schätzung 1,25 Millionen): Im lichten Farbzauber aus Ölfarbe und Tempera erkennt man Stationen und Motive aus Chagalls Leben. Zirkus, Hahn, Ziege, Blumenbouquet, Eiffelturm: Die Symbole lassen sich im Auktionskatalog mit Chagalls Leben in Einklang bringen. Meret Meyer holt da mit biografischen Notizen und selbstredenden Zitaten seiner Zeitgenossen ihren Grossvater ins Gedächtnis zurück.

Auch dieses Zitat von Chagall selbst ist belegt: Der Franzose mit russisch-jüdischen Wurzeln schrieb 1957 an seine Mutter: «Maman . . . je voudrais être peintre. C’est fini, je ne peux plus être commis (kaufmännischer Angestellter), ni comptable (Buchhalter). Assez.»

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