«Wir sehen Transform als ein Vermittlungsgefäss»

Die Regisseurin Sibylle Heiniger hat 2011 zusammen mit dem Kunsthistoriker Franz Krähenbühl das interdisziplinäre Kunstprojekt Transform gegründet, das nun zum dritten Mal gestartet ist.

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Transform will mit der Reihe «Versuchsanordnung» Kunst ermöglichen, die sich stetig weiterentwickelt. Was hat das Projekt selber für eine Transformation hinter sich?
Im Gegensatz zu den letzten zwei Jahren wollten Franz Krähenbühl und ich Theater, bildende Kunst und Musik noch stärker zusammenführen. Jede Woche arbeitet eine neue Gruppe von Künstlern aus verschiedenen Disziplinen vor Ort, und die nachfolgende Gruppe kann auf die vorangehenden Arbeiten reagieren. Die Kunstschaffenden haben auch die Möglichkeit, hier zu übernachten und zu kochen. Wir verhandeln unser Format aber immer wieder neu. In diesem Sinne ist Transform selber auch eine Art Versuchsanordnung.

Wird das Kollektive zum neuen Kunstgenre?
Uns interessieren primär die Bedingungen und der Prozess der Kunstproduktion. Kollektive Initiativen zeigen, dass sich im Moment einiges in der Kunstszene bewegt. Durch kollektive Zusammenschlüsse können Ressourcen besser genutzt werden und neue Netzwerke werden aufgebaut.

Sie haben sich wie letztes Jahr in einem leer stehenden Industriegebäude niedergelassen. Besteht da nicht die Gefahr, dass die Kunst neben der eindrücklichen Architektur in den Hintergrund rückt?
Natürlich wollen wir einen Ort schaffen, wo es vor allem um Kunst geht. Wir sehen Transform aber als ein Vermittlungsgefäss. Hier sollen sich auch Leute wohl fühlen, die nicht so kunstaffin sind. Jeden Freitag machen wir ein «Wochenprotokoll», in dem wir zusammenfassen, was unter der Woche hier passiert ist. So können wir die Kunst sehr direkt vermitteln. Zudem haben wir auch externe Fachleute wie Journalisten, Galeristen oder Wissenschaftlerinnen eingeladen, die das Geschehen kommentieren und nach aussen tragen. Der Kurator Benjamin Dodell hat letzten Freitag in dieser Funktion sogar mit der Gruppe performt.

Die Künstler sollen sich hier vernetzen und Wissen austauschen. In welcher Form ist das in den letzten beiden Wochen passiert?
In der ersten Woche hat zum Beispiel der Schauspieler Peter Zumstein mit der Sound-Künstlerin Valentina Vuksic eine Art Überwachungshaus gebaut. Er hat dort Texte rezitiert und sie hat Geräusche von abgehörten Handys abgespielt. Durch eine Scheibe konnte man den Nachbarn zuschauen. Es ging in der Performance um Voyeurismus, um beobachten und beobachtet werden. Es ist toll, wenn neue Kunst entsteht, ohne dass die Künstler ihre Sparte verlassen müssen. Es geht uns ja nicht darum, dass ein Musiker plötzlich Theater spielen soll, sondern dass ein Austausch stattfindet.

Bekommen die Künstler Geld für ihre Arbeit?
Die Werke selber sind nicht verkäuflich, weil sie an den Ort gebunden und jeweils weiter bearbeitet werden. Wir können uns und den Kunstschaffenden einen symbolischen Wochenbeitrag bezahlen. Dies entspricht aber keineswegs dem Arbeitsaufwand. Die Mittel, welche die Stadt Bern für Off-Space-Projekte vergibt, sind klein. Zudem existieren noch keine Fördertöpfe für interdisziplinäre Projekte wie zum Beispiel in Zürich.

Der «Versuch» steht bei Transform im Zentrum. Wann machen Sie Ernst?
Auf dem Kunstmarkt werden die Kunstschaffenden oft nur am Resultat gemessen - bei Transform stehen nicht die einzelnen Arbeiten im Vordergrund, sondern der «Versuchsraum», der mit anderen Kunstschaffenden bespielt wird. Und wir wollen auch noch beim 50. Mal von «Versuchsanordnung» sprechen können. Nur so bleiben wir offen für neue Impulse und Erfahrungen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 30.01.2014, 09:25 Uhr

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