Was ist eine Kunsthalle?

So wichtig, so wacklig: Eine Konferenz macht klar, was Kunsthallen leisten. Und was sie dafür brauchen.

Nicht nur die Kunsthalle Bern stand im Fokus einer internationalen Konferenz an der Universität Bern.

Nicht nur die Kunsthalle Bern stand im Fokus einer internationalen Konferenz an der Universität Bern.

(Bild: Franziska Rothenbühler (Archiv))

Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Kunsthalle – das war das Thema einer internationalen Konferenz, die am Wochenende an der Uni Bern stattgefunden hat. Es ging nicht allein um die Kunsthalle Bern, sondern um das Konzept «Kunsthalle» im Allgemeinen. Dabei zeigte sich, dass die grobe Definition von Kunsthallen der Realität nicht immer entspricht: Es handelt sich um Ausstellungshäuser, in denen zwar Kunst gezeigt, aber – im Gegensatz zu Museen – nicht gesammelt wird. Selbst in Bern gilt das nur relativ. Immerhin kauft hier die Stiftung Kunsthalle, in den Worten des Berner Professors für Kunstgeschichte Peter Schneemann, «Souvenirs der Ausstellungen in der Kunsthalle» an, um sie bei Gelegenheit dann im Kunstmuseum zu zeigen.

International – oder unwichtig

Festgestellt wurde weiter, dass in Europa Kunsthallen dann als unabhängig gelten, wenn sie von der öffentlichen Hand finanziert werden. In den USA bedeutet Un­abhängigkeit das genaue Gegenteil. Damit waren die «Sensibilitäten» angesprochen, die eine Kunsthalle ausmachen, sei es in architektonischer, inhaltlicher oder politischer Hinsicht. Unbestritten war, dass sich Kunsthallen um «kontinuierliche Gegenwärtigkeit» zu kümmern hätten, wie die Tagung im englischen Untertitel hiess – oder war mit «continuous con­temporary» doch eine Fortsetzung der ­Moderne gemeint? Wie sich die Begriffe «modern», «gegenwärtig» und «zeitgenössisch» zueinander verhalten, war jedenfalls Gegenstand der Debatte.

Glenn Phillips vom Getty Research Insti­tute Los Angeles, das den Nachlass des Berner Kurators Harald Szeemann verwaltet, machte einen Widerspruch zwischen dem Anspruch nach ortsspezifischer Verankerung und Internationalität aus. Entweder gehöre man zur «global art world», oder man sei regional, das heisst nicht von Bedeutung. Phillips befürwortete diese Entwicklung nicht, erinnerte aber daran, wie sie gerade durch Szeemann von Bern aus ins Rollen gebracht worden war. Die Kunsthallen stünden im Zentrum des Konflikts um den Zugang zur Kunstwelt, und zwar seitens aller Akteure, auch des Publikums.

Autonomie und Rückhalt

Dabei zeigte sich in der Diskussion, dass Kunsthallen ihr Publikum, wiederum im Gegensatz zu Museen, nicht über Kunst, sondern durch Kunst informieren – und zwar über die Gegenwart. Und weil davon eben nichts übrig bleibt, haben Kunsthallen keine Sammlung, mit der sie in der «art world» trumpfen können, sondern entweder hervorragende Architektur oder einen Ruf, der sich aus ihrem Netzwerk und ihrer Ausstellungspraxis speist. Deshalb bedürfen sie besonderen Rückhalts – bei gleichzeitiger grösstmöglicher Autonomie.

Kein schlechter Hinweis in Bern, wo in der Kunsthalle zwar die «berühmteste Ausstellung der Welt» (Phillips) stattgefunden hat (Szeemanns «When Attitudes Become Form», 1969), dasselbe Haus aber immer wieder in kultur- und finanzpolitischem Gegenwind steht. Insofern war die Konferenz auch ein Vorspiel zum 2018 anstehenden 100-Jahr-Jubiläum des prominenten Hauses am Helvetiaplatz.

Der Bund

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