Sein Grau war farbig

In seinem 67. Lebensjahr ist der Berner Künstler Markus Zürcher gestorben.

Ein stiller Radikaler: Markus Zürcher.

Ein stiller Radikaler: Markus Zürcher. Bild: zvg

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Wie Robert Walser ist Markus Zürcher vor zehn Tagen gestorben: auf einem Spaziergang in winterlicher Landschaft. Mit Walser verband den seit Jahrzehnten in Bern lebenden Künstler einiges: Er wurde 1946 im Appenzellischen geboren und wuchs in Herisau auf, wo Walser seine letzten Jahrzehnte verbrachte. Zürcher konnte sich noch an den in sich zurückgezogenen Schriftsteller erinnern. Und er selbst war einer, der sich zurückzog – um still und zugleich radikal an seinem Werk zu arbeiten. Und um dann wieder das Gespräch zu suchen, ernsthaft und intensiv, manchmal auch insistierend, immer noch in seinem unverkennbaren Dialekt.

Sein Werk umfasst Zeichnung, Aquarell, Malerei, Multiples, Objektkunst, Skulptur, Druckgrafik und Installation. Es zeichnet sich durch Minimalität, Reduktion und Konzept aus. Minimal die Formen, auf Schwarz-, Grau- und Weisstöne reduziert die Farbigkeit, konzeptionell das Vorgehen. So etwa in einer Wandmalerei, die er in der Kunsthalle Bern realisierte, wo er Jahre zuvor Künstlern wie Lawrence Weiner, Daniel Buren oder Meret Oppenheim assistiert hatte. Diese Wandmalerei bestand nur aus Schmutz – aus Staub und sonstigen Ablagerungen, die der Künstler in der Kunsthalle zusammenwischte und als gebundene Pigmente verwendete. Wer sich nun aber vorstellt, dieses Werk sei grau in grau gewesen, täuscht sich. Zürcher schuf aus dieser Reduktion eine Art Vielfarbigkeit in nuancierten Grautönen, die noch Jahre später in der Erinnerung haftet.

Gegossene Farben

Zürchers letzte Ausstellung in Bern war wiederum mit Robert Walser verbunden: Im Walser-Zentrum zeigte er eine neue Werkgruppe, an der er seit Jahren arbeitete. Farbe kam ins Spiel, Bewegung war zu sehen. Aber auch diese grossformatigen Aquarelle hatten ihre Basis in einem Konzept: Die Farbe ist nicht mit dem Pinsel gemalt – Zürcher goss sie in rhythmischen Bewegungen aus allerlei gefundenen oder selbst entwickelten Gerätschaften aufs gediegene, königlich-englische Papier, in vielen Schichtungen, vor- und rückseitig. Diese rhythmischen Linien und Spuren treiben das Bild in sich hinein, ohne dass eine Zentrierung zu beobachten wäre. Vielmehr bewegt sich das Auge hin und her, über die Bildfläche und in den Bildraum. Es ist eine farbige, wenn auch nicht bunte, sondern dezente und dabei doch geradezu strahlende Bilderwelt, die bis zum Amiet-Gelb hin leuchtet; für Zürcher wiederum radikal. Diese Aquarelle sind gewissermassen Fliessornamente. Sie können auch als abstrakte Makroschrift gesehen werden, eine Schrift, die von höchster Konzentration und zugleich von höchster Freiheit erzählt.

Konzentration und Freiheit – wohl sie hat Zürcher immer wieder gesucht, unbeirrbar und doch fragend: suchend und sich selbst gegenüber insistierend. (Der Bund)

Erstellt: 28.02.2013, 07:36 Uhr

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