Eine «Berner Lösung» für die Nachfolge von Kornfeld

Die Nachfolge in der Galerie Kornfeld ist geregelt: Der Galerist Bernhard Bischoff tritt als Partner in die Galerie Kornfeld ein.

Hat einen Partner gefunden: Eberhard Kornfeld, hier bei einer Auktion 2012.

Hat einen Partner gefunden: Eberhard Kornfeld, hier bei einer Auktion 2012. Bild: Franziska Scheidegger

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Als ein «Bund»-Journalist Eberhard W. Kornfeld zu seinem 90. Geburtstag im vergangenen September einen Hausbesuch an der Laupenstrasse abstattete, dominierte im Gespräch mit dem nach wie vor beneidenswert aktiven Jubilar naturgemäss der Blick zurück auf ein mittlerweile 65 Jahre dauerndes Berufsleben als Kunsthändler, Sammler und Verleger. Kurz war aber auch von der Zukunft die Rede. «Was nach mir kommt, steht in den Sternen», sagte Kornfeld knapp, um die Aussage gleich wieder zurückzunehmen: «Doch, doch, alles ist geregelt.»

Tatsächlich? Zweifel schienen angebracht. Schon einmal schien die Nachfolge – im familiären Verband – geregelt, als Kornfelds Schwiegersohn Wolf von Weiler nach sieben Jahren in der Firma die Zelte in Bern abbrach und mit seiner Familie nach Berlin zog.

«Ja, das ist der Plan»

Und jetzt diese Nachricht im 150. Jahr des Bestehens des führenden Schweizer Kunst-Auktionshauses: Auf den 1. Dezember tritt der Berner Galerist Bernhard Bischoff als Partner in die Galerie Kornfeld ein (vgl. «Bund von gestern»). In der Pressemitteilung heisst es, dass mit Bischoff «ein in Bern verwurzelter, versierter Galerist» gewonnen werden konnte, «um die Geschicke der Galerie in Zukunft engagiert mitzugestalten und weiterzuentwickeln». Teil der Vereinbarung ist auch, dass Kornfeld die Geschicke des Hauses so lange leiten wird, wie er das persönlich will und kann.

Eberhard W. Kornfeld bestätigt, dass der 40-jährige Bischoff sein designierter Nachfolger ist: «Ja, das ist der Plan, die Verträge sind unterschrieben, Herr Bischoff wird zuerst mal auf Partnerstufe beginnen.» Es habe diverse Interessenten gegeben, erzählt Kornfeld, «darunter auch einige, die ernsthaft in Betracht gekommen wären». Offenbar waren auch Auktionshäuser wie Christie’s an einer Übernahme von Kornfeld interessiert. «Ich wollte aber eine Berner, oder sagen wir, eine Schweizer Lösung», betont der seit 1945 im Haus an der Laupenstrasse wirkende Kornfeld.Bernhard Bischoff, dessen Galerie seit Herbst 2010 im Kulturzentrum Progr domiziliert ist, räumt ein, dass die Anfrage im Spätsommer für ihn «überraschend» gekommen sei.» «Ich kenne und schätze Eberhard W. Kornfeld seit langem, er ist ein Monument», sagt Bischoff, «aber zuerst war ich doch ein wenig überrumpelt.»

Nach längeren Diskussionen und Verhandlungen war Bischoff jedoch überzeugt, dass dieser Schritt für ihn eine «ungeheure Chance» und «konsequente Fortführung meiner Arbeit bedeutet». Bischoff bestätigt, dass er sich in die Aktiengesellschaft eingekauft hat. Angaben zur Grössenordnung des Betrags macht er keine, auf die Nachfrage des Journalisten sagt lediglich: «Ich musste mich nicht verschulden.» Bischoff wird damit neben Kornfeld, der seit 1967 in der Firma arbeitenden Christine F. Stauffer und Finanzchef Jürg Kunz als viertes Mitglied im Verwaltungsrat Einsitz nehmen.

Im Alter von 40 Jahren habe er einen Punkt erreicht, sagt Bischoff, wo er bereit sei für eine neue Herausforderung. Hat er keine Angst vor den «grossen Fussstapfen», in die er nun treten wird? Einen Kornfeld könne man nicht einfach ersetzten, entgegnet Bischoff. Er habe grossen Respekt vor der Aufgabe, traue sich diese aber zu – «sonst hätte ich nicht zugesagt». Er weist darauf hin, dass er in den letzten Jahren als Galerist Erfahrungen im Kunsthandel und bei der Schätzung von Nachlässen gemacht habe. Natürlich werde er seine Kenntnisse der klassischen Moderne und der zeitgenössischen Kunst einbringen in die neue Tätigkeit. Er wisse, «dass er in den nächsten Jahren als «Zauberlehrling» noch viel lernen müsse.

Seine Galerie führt er weiter

Der gebürtige Thuner Bischoff vertritt in seiner Galerie Künstler wie Reto Leibundgut, Kotscha Reist, Raffaella Chiara und Reto Camenisch. Er ist unter anderem auch Präsident der städtischen Kunstkommission und gilt als ein begnadeter Netzwerker. Bereits als 17-Jähriger organisierte er klassische Konzerte, arbeitete später als freier Kurator, Publizist und Kulturmanager. 2001 eröffnete er in Thun eine eigene Galerie, wechselte 2005 in die Bundesstadt an die Speichergasse 8, um im September 2010 ins Kulturzentrum Progr umzuziehen; bisher organisierte die Galerie über 80 Ausstellungen.

Bernhard Bischoff unterstreicht, dass seine Galerie «Bernhard Bischoff & Partner» im Progr unter seiner Leitung weiter bestehen werde: «Die Galerie hat sich ausgezeichnet entwickelt, und die von mir vertretenen Künstler werden auch in Zukunft ebenso kompetent betreut werden, wie bis anhin.» Während er die strategische Leitung beibehält, werden sich künftig seine Mitarbeiter mehr engagieren. Mittelfristig kann er sich auch vorstellen, dass die Galerie im Progr in das Fenster für zeitgenössische Kunst der Firma Kornfeld umfunktioniert wird.

Dezidiert und diplomatisch

Bischoff hat sich in der Berner Kulturszene schnell einen ausgezeichneten Ruf erworben. Immer wieder wird positiv herausgehoben, dass er als Galerist seine Künstler auch über längere Zeit intensiv begleite – was keine Selbstverständlichkeit mehr darstelle. Er gilt in seinem Auftreten als diplomatisch und gewandt, gleichzeitig wird ihm sowohl hoher Kunstverstand als auch ein ausgeprägter Geschäftssinn attestiert. Kürzlich gab er bekannt, dass seine Galerie den Nachlass des Berner Künstlers Otto Tschumi übernehmen und versuchen werde, dessen Œuvre in den kommenden Jahren neu zu positionieren.

Mit Eberhard W. Kornfeld habe er während der Verhandlungen auch lange Gespräche über das Wesen zeitgenössischer Kunst geführt, sagt Bischoff. «Wenn Kornfeld in den 1950er-Jahren Arbeiten von Alberto Giacometti ausstellte, war das damals auch zeitgenössische Kunst.» Bisher hat es in der Geschichte der 1864 gegründeten Firma drei Namen gegeben: Vater und Sohn Gutekunst, Klipstein und Kornfeld. Bernhard Bischoff hat alle Chancen, als vierter Name dazuzustossen. (Der Bund)

Erstellt: 02.11.2013, 12:32 Uhr

Bernhard Bischoff (Bild: Caspar Martig)

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