Ein Kunstfreund, der auch Vaterfigur war

Martin Krebs Galerie war ein Brennpunkt der Berner Kunstszene. Von hier gingen während fünf Jahrzehnten Impulse aus. Nun ist er einen Tag vor seinem 86. Geburtstag gestorben.

Das Künstlerduo Bastian M./Isabelle L. hat die Galerie Martin Krebs (das Foto entstand 2016 in seiner Galerie an der Münstergasse) in einer Wandinstallation verewigt.

Das Künstlerduo Bastian M./Isabelle L. hat die Galerie Martin Krebs (das Foto entstand 2016 in seiner Galerie an der Münstergasse) in einer Wandinstallation verewigt.

(Bild: Beat Mathys)

Als vor drei Jahren bekannt wurde, dass die Galerie Martin Krebs wegen Sanierungsarbeiten an der Münstergasse 43 schliessen muss, war die Betroffenheit gross. Denn der Ausstellungsraum des Galeristen war viel mehr als bloss ein Ort, an dem Kunst gezeigt wurde. Hier fühlten sich Kunstschaffende und Kunstfreunde willkommen. Martin Krebs war ein leidenschaftlicher Gastgeber, Vermittler, Förderer und vielen jungen Kunstschaffenden ein väterlicher Freund.

Krebs verfolgte in seiner Galerie kein fixes Kunstprogramm. Er war offen für alles, solange es ihn berührte. So kam es, dass er mit gleicher Überzeugung die unterschiedlichsten Positionen ausstellte. In der Galerie Krebs begegnete man den ironisch-feinen Zeichenstrichen eines Alfred Hofkunst oder den konkreten Bildern eines Max Bill ebenso wie dem Zeichner und Plastiker Bernhard Luginbühl oder den Pop-Art-Virtuosen M.S. Bastian und Isabelle L., welche die Galerie ihres Förderers sogar in einer kunterbunten Wandinstallation voller Comicfiguren verewigten.

Der Befreiungsschlag

Die Galerie Martin Krebs wurde zum wichtigen Brennpunkt in der Berner Galerienszene. Hier kam man zusammen, um Ideen auszutauschen und neue zu kreieren. Martin Krebs gab Impulse und förderte den Austausch über (Denk-)Grenzen hinweg. Dabei blieb der Galerist sich selber immer treu. Furchtlos setzte er sich auch für Aussenseiter in der Kunst ein: Er präsentierte die Universen des 2013 verstorbenen Berner Künstlers Peter von Wattenwyl oder die Spray-Arbeiten von Thomas Baumgärtel, der die Banane als Zeichen des Widerstands und der Freiheit zur Ikone machte.

Martin Krebs begegnete man nicht nur in der Galerie. Seine Interessen gingen weit über die Kunstszene hinaus.

Martin Krebs hatte Humor. Und dass für ihn Werte wie Menschlichkeit, Vertrauen und Kontinuität in der Zusammenarbeit mit den Kunstschaffenden wichtig waren (und zuweilen wichtiger als der schnelle Profit), machte die Begegnung mit ihm zu etwas Besonderem.

Martin Krebs geriet schon früh in den Bann der Kunst. Als Bub legte er Alben an, in denen er von Rembrandt bis Matisse alles sammelte. Und eigentlich wäre er gerne selber Künstler geworden. Das verriet der ehemalige Sekundarlehrer mit Gesangsausbildung und Vater dreier erwachsener Kinder viel später einmal im Gespräch mit dem «Bund». Seine Bilder, unter denen es viele Selbstporträts gab, hätten ein wenig nach Ferdinand Hodler, Fred Stauffer und Victor Surbek ausgesehen, sagte Krebs. Ambitionen mit seiner Kunst hatte er aber keine, er fand, es gebe viele andere, die besser malten als er.

So kam es, dass er 1968 seine Malereien verbrannte und dies als Befreiungsschlag erlebte. Nun war der Weg erst richtig frei für die Kunst: In einem Gewölbekeller an der Kramgasse eröffnete Krebs die erste Galerie. Ein Schlüsselmoment, an den er sich auch noch vierzig Jahre später lebhaft erinnerte. Der Aufbruch sei spürbar gewesen in Bern, das zum Epizentrum der Gegenwartskunst avancierte.

Viele «Konkrete» wie Max Bill sind bei Krebs ein und aus gegangen, Harald Szeemann und seine Entourage, Meret Oppenheim, Samuel Buri, Lilly Keller, Franz Gertsch, Oscar Wiggli und viele andere. Krebs erinnerte sich, wie die Berner sich damals gerade damit abgefunden hätten, dass Picasso kein Scharlatan sei. Und dann hätten sie durch die Pop-Art und die Minimal Art einen neuerlichen Schock erlebt.

Kunst und Knochenarbeit

Die ersten Grafik-Blätter von Roy Lichtenstein und Andy Warhol, die Krebs zeigte, lösten Kopfschütteln aus. Doch der junge Galerist und Mitbegründer des Vereins Berner Galerien liess sich nicht beirren. Er lernte schnell, dass Idealismus und Begeisterung nicht ausreichten, um eine Galerie zu führen, und er war bereit, die nötige Knochenarbeit zu leisten. 1971 konnte er mit seiner Galerie in den hellen, ebenerdigen Raum an der Münstergasse umziehen, wo er bis zur Kündigung des Lokals im Sommer 2016 blieb und rund 600 Ausstellungen organisierte.

Martin Krebs begegnete man aber nicht nur in seiner Galerie. Seine Interessen gingen über die Kunstszene hinaus. Seine Liebe galt auch der Oper, dem Theater. Und auch als er körperlich schon zerbrechlich wirkte, traf man ihn regelmässig mit seiner Frau Barbara im Stadttheater. Gerne erzählte er, dass er hier als Bub in «Macbeth» aufgetreten sei.

Am vergangenen Donnerstag, einen Tag vor seinem 86 Geburtstag, wurde Martin Krebs von seinen Beschwerden erlöst.

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