Kunst

Der Markt als Kunstrichter

Wer ist der beste Künstler, die beste Künstlerin mit Bernbezug? Die alternativen Kunsträume in Bern wollen es genau wissen – und lassen den Markt spielen.

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Wer ist die Nummer eins in Bern? Urs Zahn, Ana Roldan oder Esther van der Bie? Francisco Sierra oder Lang/Baumann? Annette Boutellier oder Yoshiko Kusano? Mariann Oppliger, Ted Scapa oder Quynh Dong? Über vierzig Berner Künstlerinnen und Künstler stellen sich der Kompetition, die von den alternativen Kunsträumen Grand Palais, Marks Blond, Galerie Milieu und Neue Galerie organisiert wird. Das Wort haben dabei keine Experten, über das Resultat entscheidet, den liberalen Zeitgeist reflektierend, der Markt in seiner reinen, ursprünglichen Form: als Auktion.

In Form eines Rankings wollen die Initianten nichts weniger als eine «aktuelle und aussagekräftige Bestandesaufnahme der Berner Kunstszene» liefern, wie sie in der Ausschreibung festhalten. Ganz so aussagekräftig wie intendiert wird das Resultat allerdings nicht: Auf der Wunschliste standen auch grosse Namen wie Franz Gertsch, Markus Rätz, Olivier Mosset, Thomas Hirschhorn oder Vaclav Pozarek. Sie aber fehlen in der Auktion ebenso wie Annaïk Lou Pitteloud, Heinrich Gartentor, Julia Steiner, Pamela Rosenkranz, Kotscha Reist, Zimoun und andere bekannte Namen.

Jeder Rappen zählt

Die Arbeiten der beteiligten Künstler sind ab heute in der Galerie Milieu zu sehen. Als Richtgrösse diente das Format A 3, die Werke sollen auch für bescheidenere Budgets erschwinglich sein. In der Mehrzahl handelt es sich um Zeichnungen, Malerei, Fotografien, Textarbeiten, aber es gibt auch zwei kleinere Installationen. Während eines Monats haben die Besucher die Möglichkeit einer «blinden Auktion»: Die Bieter und ihre Gebote bleiben geheim, die Werke gehen an die Höchstbietenden.

Ist das Ganze ein Spiel mit den Marktgesetzen? Eine Art Castingshow der Kunstszene? Immerhin zieren Bodybuilderinnen und Bodybuilder den Flyer. Daniel Suter von Marks Blond bezeichnet das Ganze als «Experiment mit marktkritischen Intentionen», eine gewisse Ironie spiele da sicher mit. Rémy Pia von der Galerie Milieu betont, dass dies «nichts mit einer Spass- oder Guerilla-Aktion gegen die Arbeit der kommerziellen Galerien» zu tun habe. Man sei einfach gespannt zu schauen, wie sich in diesem kontrollierten Rahmen ein Markt bilde.

Bitte nur Gewinner

Der experimentelle Charakter des Unternehmens zeigt sich auch darin, dass über das Prozedere zur Ermittlung des Rankings bis kurz vor der heutigen Vernissage noch diskutiert worden ist. Nun soll über die Rangliste am Ende nicht bloss das höchste Gebot entscheiden, sondern die Summe der Gebote. Das heisst: Die Nummer eins auf dem Platz Bern ist der Künstler, dessen Werk in der Summe den höchsten Bietwert auf sich vereint. Damit erhält die Auktion auch den demokratischen Touch eines Plebiszits: Jede Stimme, jeder Rappen zählt. «Es ist uns wichtig, dass auch Leute mit bescheidenem Budget angesprochen werden, dass auch sie mit ihrem Beitrag Einfluss nehmen auf das Resultat», sagt Rémy Pia.

Die Aktion, die eigentlich bereits letztes Jahr und in grösserem Rahmen in der Dampfzentrale hätte stattfinden sollen, wird in einer Publikation dokumentiert. Darin soll sich dann auch die Rangliste finden, allerdings nur mit den ersten fünf oder zehn Künstlern, weil man niemanden blossstellen will. Anders als der reale Markt soll diese Aktion keine Verlierer, sondern nur Gewinner schaffen. (Der Bund)

Erstellt: 05.05.2011, 09:18 Uhr

Vernissage

Galerie Milieu, Münstergasse 6, Donnerstag ab 19 Uhr. Ausstellung bis 4. Juni. www.2ndgeneration.ch.

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