«Das Auge macht das Bild»

Edoardo Coltello dokumentiert eine Rundreise durch die Schweiz per Smartphone. Zu sehen sind seine Bilder in einer stündlich aktualisierten Schau an der Photo Münsingen.

Mit quadratischen Handy-Ansichten läutet Edoardo Coltello an der Photo Münsingen das Smartphone-Zeitalter ein.

Mit quadratischen Handy-Ansichten läutet Edoardo Coltello an der Photo Münsingen das Smartphone-Zeitalter ein. Bild: zvg

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Berner kennen das: Da stehen Menschentrauben vor dem Zytglogge oder vor dem Chindlifresserbrunnen, und alle zücken kleine schmale Smartphones und knipsen. Natürlich gibt es auch noch die Traditionalisten mit teuren Kameras, Wechselobjektiven und Stativen.

Diese professionell ausgestatteten Damen und vor allem Herren lächeln gern über die Handyknipser. «Dabei braucht es gar keine teure Kamera, um gute Bilder zu machen», hat Edoardo Coltello festgestellt. Überrascht von der technischen Qualität der Telefonbilder, lässt der Grafik-Designer die Kamera immer häufiger im Schrank und drückt lieber den Foto-Auslöser seines Handys. Mit einer Fotoreportage aus der Schweiz läutet Edoardo Coltello nun das Smartphone-Zeitalter an der Photo Münsingen ein. Anwesend ist Edoardo Coltello in Münsingen nur durch seine Bilder. Der 32-Jährige, der im Pass Tobias Messer heisst, fährt über das Wochenende mit Freundin und Smartphone durch die Schweiz.

Los geht es am Auffahrtstag ab Bern in Richtung Westschweiz. Mit Bus und Bahn, Schiff und Tram soll die Reise gegen den Uhrzeigersinn durch alle Landesteile der Schweiz führen. «Ich möchte möglichst nah an die Leute, die Städte, die Landschaften herankommen», erklärt Coltello alias Messer, der seine Eindrücke laufend per Handy festhalten wird. Einmal in der Stunde schickt er eine kleine Auswahl nach Münsingen, wo die Arbeiten ausgedruckt und mit Klammern an einer Wäscheleine im Jugendtreff Spycher aufgehängt werden. Zusätzlich spannend wird die stündlich wachsende Bildreportage dieser Foto-Tour de Suisse durch den Verzicht auf Bildlegenden. «Ich werde aber immer wieder mal einen Bahnhof, ein Ortsschild oder ein markantes Gebäude fotografieren, damit die Betrachter sehen können, wo ich bin», verspricht Coltello.

Fotos an der Wäscheleine

Die unprätentiöse Art der Präsentation betont nicht nur den lässigen Charakter dieser Fotoreise, sie verweist auch auf die veränderte Wahrnehmung von Fotografie in einer Gegenwart, in der jeder überall und jederzeit Fotos machen, bearbeiten und wieder löschen kann. Natürlich gab es auch im Umfeld der Photo Münsigen, dem renommierten Grossanlass für Fotoclubs und Fotointeressierte, Puristen, die den bedenkenschweren Kopf wiegten und fragten, ob Smartphone-Bilder wirklich an eine Fotoausstellung gehörten. Edoardo Coltellos Antwort darauf ist so schlicht wie entwaffnend: «Das Auge macht das Bild und nicht die Kamera.»

Ob die Smartphone-Bilder an der Wäscheleine neben Fotos aus professionellen Kameras bestehen können, davon kann sich jeder in den Ausstellungen und Workshops der Photo Münsingen selbst ein Bild machen. (Der Bund)

Erstellt: 15.05.2012, 13:37 Uhr

Photo Münsingen

Schlossgutareal Münsingen, 17. bis 20. Mai. Geöffnet: Donnerstag und Samstag, 10–18 Uhr, Freitag, 10–21 Uhr, Sonntag, 10–17 Uhr.

www.photomuensingen.ch

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