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Kummers vertane Chance

Mit seinen fiktiven Interviews löste Journalist Tom Kummer vor rund 16 Jahren einen Medienskandal aus. Jetzt sollen Chefredaktoren erneut auf den «Bad Boy» reingefallen sein.

Hats wieder getan: Tom Kummer im Jahr 2000 anlässlich einer Diskussion in Heidelberg. (Archivbild)
Hats wieder getan: Tom Kummer im Jahr 2000 anlässlich einer Diskussion in Heidelberg. (Archivbild)
Matthias Ernet, Keystone

Tom Kummer hatte sie (fast) alle vor dem Mikrofon: Von Tom Hanks und Tom Cruise über Sharon Stone und Mike Tyson bis zu Brad Pitt und Quentin Tarantino. Der heute 53-jährige Berner verkaufte bis 1999 als Hollywood-Korrespondent Phantom-Interviews mit Prominenten der «Süddeutschen Zeitung» und mehreren Schweizer Zeitungen, darunter dem «Tages-Anzeiger». Dann deckte der «Focus» den Skandal auf. In einigen Redaktionsstuben rollten daraufhin die Köpfe der Chefs. Jetzt scheint sich das Ganze zu wiederholen. Wie die «NZZ» heute berichtete, hat sie sieben Kummer-Texte, die in der «Weltwoche» erschienen sind, auf Plagiatspassagen durchsucht – und wurde fündig.

Köppel gewährte zweite Chance

«Jeder verdient eine zweite Chance. Welcome back, Tom», schrieb Köppel im Jahr 2013 in der «Weltwoche», als er den Protagonisten wieder einstellte. Köppel ging Kummer als ehemaliger Chefredaktor des «Tages-Anzeigers»-Magazins bereits beim ersten Skandal auf den Leim, schenkte dem Journalisten aber Jahre danach nochmals sein Vertrauen. Insgesamt sind 29 Texte des Journalisten in der «Weltwoche» erschienen. Sieben davon hat die «NZZ» untersucht und bei allen sieben habe sie mittels Online-Tools plagiierte Textstellen gefunden, wie die Zeitung in ihrer Samstags-Ausgabe berichtete.

Auf Anfrage der «NZZ» gab sich Köppel wortkarg. Kummer schreibe seit längerem nicht mehr für sein Blatt, liess der SVP-Nationalrat verlauten. Kummers Name im Impressum der «Weltwoche» sei allerdings erst seit Kurzem verschwunden, schreibt die Zeitung. Und über die Qualitätsprobleme bei Kummer-Texten liess Köppel seine Leserschaft indes im Unklaren.

Tom-Kummer-Illustration (Quelle: Tagesanzeiger)

Kummer-Texte sind «Kunst»

Journalist Tom Kummer, der seine Texte als von der Kunstfreiheit geschütztes Sampling bezeichnet und Quellenangaben für ästhetisch störend hält, weil sie den Lesefluss hemmten, habe damit eine weitere Chance vertan, so die «NZZ».

Nach dem Skandal vor rund 16 Jahren zog sich der «Starreporter» zurück. Familie und Tennis rückten in den Lebensmittelpunkt, bis 2004 die «Berliner Zeitung» vermeintlich neue Beiträge des Schweizer Journalisten veröffentlichte. Die Zusammenarbeit war allerdings nur von kurzer Dauer, weil Kummer dem Blatt eine bereits mehrfach veröffentlichte Reportage als neu verkauft hatte.

2010 hat Miklós Gimes, der seinerzeit als Chefredaktor beim «Magazin» des «Tages-Anzeigers» selbst Texte von Kummer veröffentlicht hatte, über «Bad Boy Kummer» einen Dokumentarfilm gedreht.

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