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Sinfonisches Surfen im Sonnensystem

Mit Gustav Holsts «Planeten» verabschiedet sich das Berner Symphonieorchester aus dem Kursaal.

Mario Venzago zeigt sich einmal mehr als Meister der Differenzierung, der die Steilvorlagen einer so vielschichtigen Partitur dankbar auskostet.
Mario Venzago zeigt sich einmal mehr als Meister der Differenzierung, der die Steilvorlagen einer so vielschichtigen Partitur dankbar auskostet.
Franziska Scheidegger

Der Zeitpunkt könnte günstiger kaum sein: Am nächtlichen Juni-Himmel sind gleich mehrere der Planeten zu sehen, die Gustav Holst in seiner berühmten, gleichnamigen Suite charakterisiert; besonders prominent Jupiter und Saturn. Hätte das Berner Symphonieorchester (BSO) mit Absicht so programmiert, müsste man vor solcher Weitsicht den Hut ziehen. Doch ziehen darf man ihn ohnehin: vor der souveränen Wiedergabe der «Planeten» im letzten Abonnementskonzert der Saison.

Es war auch das letzte Symphoniekonzert im Kursaal-Exil, das mehr gehalten hat, als manche befürchteten. In die Vorfreude auf die Rückkehr ins Casino mischt sich denn auch eine Spur Wehmut: Im Kursaal genoss man echtes Gastrecht, die Arena-Akustik war ganz brauchbar, und das Publikum hielt die Treue. Dies verdankte denn auch Maestro Mario Venzago ausdrücklich, der gleich einen ersten Gruss an den frisch gekürten neuen Intendanten im Saal, Florian Scholz, richtete.

Mit Pauken und Trompeten

Holsts «Planeten» waren noch einmal eine echte Nagelprobe für die Akustik – und für das Orchester. Die Kontraste zwischen dem Kriegsgott Mars (der Begriff martialisch kommt ja nicht von ungefähr: Man meint Stiefeltritte und rollende Panzer zu hören) und der Friedensgöttin Venus sind eklatant.

Mario Venzago zeigt sich einmal mehr als Meister der Differenzierung, der die Steilvorlagen einer so vielschichtigen Partitur dankbar auskostet. Und auskosten lässt: Allen Registern seines Klangkörpers gibt er gestalterische Freiheit, ohne den Blick auf das Ganze zu verlieren. Das lässt manch schönes Detail hören und gleichzeitig über die Präzision staunen, etwa bei den komplexen Paukenrhythmen oder beim Wechselspiel der weit aufgefächerten Blechbläser. Am Planetenhimmel darf natürlich die Celesta nicht fehlen, und auch Harfen, Hörner und Holz kommen prächtig zur Entfaltung. Den Neptun-Satz hauchen die Damen des Chors von Konzert Theater Bern (gecoacht von Zsolt Czetner) aus dem Off betörend sanft und leise aus.

Geht Mozart immer?

Doch was stellt man diesem Erfolg zum Saisonende voran? Mozart geht immer, könnte man meinen. Doch zum einen liegt die Urheberschaft bei der Sinfonia concertante in Es-Dur (KV 297b) im Dunkeln: War das wirklich des Meisters Hand? Falls nicht, dann doch die eines soliden Könners. Zweifel bleiben erlaubt.

Trotz des tadellosen Zusammenspiels der Fagottistin Monika Schindler mit ihren BSO-Kollegen Adam Halicki (Oboe), Bernhard Röthlisberger (Klarinette) und Christian Holenstein (Horn) will das Stück hier nicht so richtig passen. Eher eine Fingerübung für das Orchester und den Dirigenten und sicher eine dankbare Aufgabe für die vorzüglichen Solisten. Und somit ein wenig schade, dass diese Eindrücke schon nach wenigen Takten des Mars-Satzes der «Planeten» fast vergessen waren.

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