Naturidyll und Cellokantilenen

Im Kursaal überzeugen der junge Aargauer Cellist Christoph Croisé und das Berner Symphonieorchester im Konzert des Schwyzer Komponisten Joachim Raff.

Der 24-jährige Cellist Christoph Croisé begeisterte als Solist im letzten Konzert des BSO vor der Sommerpause mit Klängen voller glühender Leidenschaft.

Der 24-jährige Cellist Christoph Croisé begeisterte als Solist im letzten Konzert des BSO vor der Sommerpause mit Klängen voller glühender Leidenschaft. Bild: Archiv

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Der Stadt Bern bleiben die Gewitter am Samstag erspart – zum Glück, feiert man doch in der Altstadt die Fête (oder «Faites») de la Musique mit zahlreichen Open-Air-Auftritten von Musizierenden aller Genres und Altersgruppen. Zumindest ennet der Kornhausbrücke, im Kursaal, donnert und blitzt es dann allerdings während des Konzerts des Berner Symphonieorchesters doch noch gewaltig: In Beethovens sechster Sinfonie wird das heitere Fest der Landleute von einem Sturm abrupt gestört und beendet.

Venzagos flotte Tempi

Umso reizvoller ist allerdings der Kontrast dieses musikalischen Wetterleuchtens mit den die Symphonie eröffnenden idyllischen Naturstimmungen, dem fröhlichen Auftanz und den an das gefahrlos vorübergezogene Gewitter anschliessenden Gefühlen der Erleichterung. Mit flotten Tempi, die sich an Beethovens originalen Metronomangaben orientieren, schildern Chefdirigent Mario Venzago und seine Mitmusikerinnen und -musiker die Beethoven’sche Empfindungswelt.

Das hat viel Schwung und Wohlklang. Bei gewissen Übergängen und Ablösungen zwischen den einzelnen Registern hält man bei diesem Tempo zwar kurz den Atem an, meist aber fliessen die melodischen Motive mustergültig durch das Orchesterrund und malen reizvolle Szenerien auf die geistige Leinwand. Dabei kann man diese ländliche Sinfonie des in Wien ansässigen Beethoven in Bezug auf die vorangehenden Schweizer Töne quasi als Tour de Suisse hören.

Nach einer packenden Ouvertüre von Franz Schubert, die ebenso wie die Sinfonie mit klangschönen Bläsersoli aufwartet, bestreitet nämlich der 24-jährige Aargauer Cellist Christoph Croisé den ersten Teil des Konzerts mit dem Cellokonzert d-Moll des Schwyzer Komponisten Joachim Raff (1822–1882). Raff, in Lachen am Zürichsee aufgewachsen und später vor allem in Deutschland tätig und erfolgreich, bietet dem jungen Solisten glänzende Gelegenheit, seine Fähigkeiten und seine Musikalität auszuspielen.

Mit hoher Phrasierungskunst

Croisé demonstriert Phrasierungskunst und glühende Kantilenen ebenso wie nonchalante Virtuosität, wobei Letztere neben dem schmissigen Schlusssatz vor allem auch in seiner Zugabe, «Stonehenge» von Péter Pejtsik, zum Ausdruck kommt. Der einzige Wermutstropfen ist akustischer Natur, dürfte doch der Klang seines Instruments im Berner Kursaal noch etwas präsenter sein. Ob nun der prähistorische Steinkreis in England, die Klassikerstadt Wien oder eben doch eine Reise durchs Schweizerland – Feriengefühle lassen grüssen in diesem letzten Symphoniekonzert vor der Sommerpause. Bevor die grossen Ferien allerdings beginnen, nutzen Venzago und das Berner Symphonieorchester die Gelegenheit noch für einige Abschiedsworte und eine als Dank ans Publikum verstandene Zugabe mit Beethovens «Egmont-Ouvertüre».

In diesem Werk nun bleibt das Gewitter aus – donnernder Applaus und stehende Ovationen des Berner Publikums sind aber dem Orchester und seinem dynamischen Maestro gewiss, der am kommenden Sonntag, 1. Juli, seinen 70. Geburtstag feiern wird.

Wiederholung: Das Konzert im Kursaal wurde von Radio SRF 2 Kultur aufgezeichnet. Es wird am 5. Juli, 20 Uhr, auf diesem Sender ausgestrahlt. (Der Bund)

Erstellt: 25.06.2018, 06:51 Uhr

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