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Musikalisches Spitzenpersonal am Werk

Im Testlabor der Stile: Das Berner Symphonieorchester kombinierte souverän absolute Musik mit Klangmalerei.

Das Berner Symphonieorchester (Archivbild).
Das Berner Symphonieorchester (Archivbild).
Franziska Scheidegger

Das zehnte Symphoniekonzert der Saison bot in der gut gefüllten Französischen Kirche eine farbige und souverän dargebotene Zusammenstellung selten zu hörender sowie noch junger Musik. Vor den beiden solistischen Werken, die den Kern des Programms bildeten, stand die gleichsam als Vorspiel präsentierte zweite Kammersinfonie von Arnold Schönberg, bei der Chefdirigent Mario Venzago klangbewusst und mit feinen Temposchwankungen auf die locker gefügten Themen einging.

Eine Überraschung bildete die anschliessende Schweizer Erstaufführung des Doppelkonzerts für Saxofon und Bassposaune von Daniel Schnyder, komponiert für sich selbst und den eminenten amerikanischen Bassposaunisten David Taylor. Schon lange hat sich Schnyder als Komponist und ausübender Musiker einen zugkräftigen Ruf sowohl in Jazz und Klassik als auch im dazwischenliegenden Bereich erworben. Mit seinem Doppelkonzert hat er eine reiche und spielerische Partitur komponiert, in die derart viele inner- und aussermusikalische Anspielungen eingeflossen sind, dass sie wie aus dem Testlabor der Stile, der Kulturen, der Naturphänomene und sogar der chemischen Elemente entsprungen klingt.

Bereits mit den ersten Noten der Soloinstrumente verbreitete sich denn auch eine im Konzertsaal ganz ungewohnte Stimmung. Wenn auch beide Solisten das Werk mit grosser Konzentration und noch grösserer Spielfreude darboten, lag es wohl in der Natur seines Instruments, dass Taylor das Feld zunächst dominierte und ihm Schnyders Saxofon erst im melancholisch-melodischen dritten Satz völlig ebenbürtig an die Seite trat.

Expressives Vibrato

Auf Schnyders Komposition, die sich auch am Naturprogramm von Mahlers «Lied von der Erde» orientierte, folgte ein Werk, das zwar keine durch Text vermittelten Assoziationsmöglichkeiten mehr anbot, dennoch aber hörbar in einer verwandten naturnahen Sphäre verblieb: das Violinkonzert von Othmar Schoeck, einem der bedeutendsten Schweizer Komponisten des 20. Jahrhunderts. Alexis Vincent, erster Konzertmeister des BSO, interpretierte es an Schoecks 61. Todestag als Solist.

Eine schon etwas ältere Forschermeinung, der zufolge dieses Konzert an sich «ein einziges Rubato» sei, bewahrheitete sich in der Interpretation des BSO erst im wunderschönen zweiten Satz, in dem noch machtvoll der Sinfoniker Brahms nachschwingt. Da erhielt Vincents Ton, von hinreissenden Bläsern begleitet, zudem ein expressives Vibrato. Im Kopfsatz, den er mit straffem Zug wie einen einzigen langen Bogen interpretierte, hatte er sich das noch verwehrt.

Mit grossem Schlusseffekt beschloss den Abend Jacques Iberts sinfonische Suite «Paris». Das BSO begegnete dieser artistisch-lebhaften Unterhaltungsmusik, die offensichtlich als Kehraus gedacht war, mit angemessener Leichtfüssigkeit und grosser Freude an klanglicher Illustration.

Wiederholung: Heute, 19.30 Uhr, Französische Kirche Bern

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