Zum Hauptinhalt springen

Loslassen, ein letztes Mal

Das Konzert zum 50-jährigen Bestehen des Berner Bach-Chors muss ohne seinen Gründer stattfinden: Dirigent Theo Loosli ist im Alter von 83 Jahren gestorben.

Er träumte vom «idealen Klang»: Theo Loosli.
Er träumte vom «idealen Klang»: Theo Loosli.
Manu Friedrich

«Continuez!» Mit dieser Aufforderung schloss Bundesrat Jean-Pascal Delamuraz seine Festrede im Kultur-Casino. Sie galt dem Berner Bach-Chor und Theo Loosli, dessen Gründer, der gerade den mit 100'000 Franken dotierten Kulturpreis der Burgergemeinde Bern in Empfang genommen hatte. Das Ereignis ist genau zwanzig Jahre her.

Doch es blieb nicht der letzte Höhepunkt im Wirken des umtriebigen Musikers, der 1967 mit dem Bach-Chor nicht nur eine Gemeinschaft von Singfreudigen zusammengetrommelt, sondern ein Ausrufezeichen ins Berner Kulturleben gesetzt hatte: Die künstlerische Qualität des Bach-Chors hatte Referenzcharakter.

Loosli war leidenschaftlich und engagiert, manchmal streng und unerbittlich, wenn es darum ging, gesteckte Ziele zu erreichen. Unter Zielen verstand er aber nicht bloss Konzerttermine, sondern auch Klangziele. Er träumte vom «idealen Klang». Was ihm genau vorschwebte, erklärte er so: Er wolle einen flüchtigen Glücksmoment festhalten.

Mit Blick in die Zukunft

Auch wenn der Name des Bach-Chors auf den Thomaskantor verweist, umspannte Looslis Repertoire viel mehr, von geistlichen und weltlichen Werken aus dem Barock bis zu Klassik, Spätromantik und Gegenwart. Dass dieser vitale, charismatische Musiker, der als Geiger ausgebildet war, eigentlich gar nie Dirigent werden wollte, kann man kaum glauben.

Da er wegen einer chronischen Hepatitis nicht gewusst habe, ob er weiter dirigieren könnte, packte er auch eine wissenschaftliche Laufbahn an, studierte deutsche Literatur und promovierte über Gottfried Keller. Das kreative Umfeld, in dem er aufgewachsen war, prägte ihn. Aufgewachsen ist Theo Loosli in einer neunköpfigen Täuferfamilie in La Chaux-d’Abel im Berner Jura. Sein Vater war Lehrer und Chorleiter, seine Mutter eine begnadete Märchenerzählerin.

Auch wenn er sich als Musiker vorab mit der Vergangenheit auseinandersetzte, so war Looslis Blick doch immer auch in die Zukunft gerichtet: Er hat neben dem Bach-Chor auch den Berner Kinderchor, den Berner Konzertchor, die Sinfonietta Bern und das Orchestre Symphonique Neuchâtelois gegründet. 2013 entschied er sich schweren Herzens, den Bach-Chor in jüngere Hände zu geben. Das Loslassen bedeutete eine Erleichterung für den 80-Jährigen, aber es fiel ihm unendlich schwer.

Seit zwei Jahren, seit seine Frau gestorben war, lebte Loosli zurückgezogen in Neuenburg. Er plante wieder ins Bernbiet umzuziehen. Das Schicksal aber vereitelte dieses Vorhaben. Nach einem Sturz und einem Spitalaufenthalt ist er vergangenen Freitag im Kreis seiner engsten Familie verstorben.

«Continuez» hiess es vor zwanzig Jahren. Theo Looslis Vermächtnis, sein Chor, wird das tun. Das Konzert zum 50-jährigen Bestehen des Bach-Chors Mitte Mai (unter der Leitung von Looslis Nachfolgerin Lena-Lisa Wüstendörfer) wird auch im Gedenken an ihn stattfinden; auf dem Programm steht u. a. Beethovens 9. Sinfonie.

Kultur-Casino Bern, So, 14. Mai, 17 Uhr.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch